2026-001/documents/einfuehrung-sozialisationstheorie/pages/413.md

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deutlich wird, wie weit sekundäre Sozialisationsinstanzen
in der Biografie verankert sind. Das muss nicht immer
positiv gesehen werden. Skeptische Stimmen fragen: Ist
das noch Bildung, was wir in Bildungsinstitutionen
vermitteln? Erleben Schülerinnen und Schüler nicht einen
ständigen Wettbewerb und ein »teaching to the test«?
Die Kritik am deutschen Schulsystem ist inzwischen
allgegenwärtig. Ein Strang dieser Kritik bezieht sich auf
die fehlende Chancengerechtigkeit, die durch die Struktur
des deutschen Bildungswesens (die unterschiedlichen
Schulformen) einerseits und schlechte Förderpraxis
andererseits bedingt wird. Ein anderer Strang bezieht sich
auf die Inhalte und Ziele von Bildung. Ist Bildung hiernach
vielleicht ein Merkmal von Konkurrenzgesellschaften
geworden, in denen junge Menschen lernen, das liberale
Werte wie der Humanismus nur noch Hüllen darstellen und
der Lehrbetrieb in Wahrheit eine Ellenbogenmentalität
erzeugt, in eine Form der sozialen »Kälte« eingeübt wird,
die nur durch Bildungsfloskeln verdeckt wird? Diese
Position stammt aus einer gesellschaftskritischen
Perspektive, ist mit den Vertretern der Frankfurter Schule
und wird interessanter in den vergangenen Jahrzehnten
immer wieder aufgenommen (Gruschka 1994;
Heinrich 2001) und für aktuell befunden.
Ohne hier auf die Kritik im Einzelnen eingehen zu wollen,
kann aus dem bisher Thematisierten geschlossen werden,
dass Erziehungs- und Bildungseinrichtungen als sekundäre
Sozialisationsinstanzen eine enorme Reichweite haben.
Zudem wird in der öffentlichen, aber auch der
wissenschaftlichen Debatte immer wieder Zweifel an der
Entwicklungsrichtung öffentlicher Erziehung und Bildung
geäußert. Die Reformierbarkeit der komplizierten und
hierarchischen schulischen Strukturen ist die eine
Herausforderung (Hurrelmann 2013). Die Enge schulischer
Wissensvermittlung, bei der die volle Breite des