2026-001/documents/einfuehrung-sozialisationstheorie/pages/411.md

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für die räumliche, wobei in beiden Fällen ein hohes Ausmaß
an Flexibilität charakteristisch ist. An welchem Ort und zu
welcher Zeit die vereinbarte Arbeitsleistung erbracht wird,
das liegt in Zeiten der Erreichbarkeit über Mobiltelefone
und E-Mails im Verantwortungsbereich des Arbeitenden.
Ein solches Anforderungsprofil verlangt eine ausgeprägte
Fähigkeit zur Selbstmotivation und die Bereitschaft zur
fachlichen Flexibilität, verbunden mit einer hohen
Sensibilität für sich abzeichnende Veränderungen im
Arbeitsablauf. Arbeitskraft-Unternehmer werden
gewissermaßen zu aktiven Maklern der eigenen
Fähigkeiten und individuellen Qualifikationen. Die eigene
Arbeitskraft wird permanent am wirtschaftlichen Nutzen
und am spezifischen Bedarf des Unternehmens orientiert,
wobei die persönliche Bewertung des Nutzens stark
einfließt.
Typischerweise hat der »Arbeitskraft-Unternehmer«
gegenüber dem klassischen Typus des abhängig
Erwerbstätigen viel größere zeitliche und räumliche
Freiräume und verfügt über ein deutlich höheres Maß an
Autonomie in der Gestaltung der Arbeitsabläufe. Er sieht
sich allerdings durch die starke Selbstdisziplinierung einem
hohen Leistungsdruck ausgesetzt und ist gezwungen, die
Fähigkeit des selbst organisierten Arbeitens und Lernens in
den Vordergrund seines Lebens zu rücken. In nicht nur
einer Hinsicht können wir hierin auch die Überforderung
moderner Bildungs- und Arbeitsbiografien erkennen. Der
französische Soziologe Alain Ehrenberg (geb. 1950) hat
hierfür bereits vor rund 20 Jahren die Formulierung »Das
erschöpfte Selbst« (Ehrenberg 2004) geprägt, die heute
zum geflügelten Wort für die Beschreibung der
Arbeitsfixierung und ihrer Auswirkungen auf die mentale
Vulnerabilität (Verletzlichkeit) moderner
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer geworden ist.
Wohin steuert das Erziehungs- und Bildungssystem?