2026-001/documents/einfuehrung-sozialisationstheorie/pages/384.md

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eigenen Erfahrung. Sie sprechen im schulischen und
universitären Milieu anders als im Kontext der Familie und
Freunde (und hier geht es um den Sprachcode, nicht um
die Amtssprache). Es handelt sich um einen Bruch, der sich
aus den unterschiedlichen Sprachanforderungen und
Sprachnormen ergibt. Woran diese Überlegungen hier
einmal etwas beschleunigt nun angeschlossen werden
sollen, ist das Motiv der sozialen »Eliminierung«.
Eliminierung ist ein analytischer Begriff der soziologisch
geprägten Ungleichheitsforschung, über den versucht wird
zu beschreiben, wie bestimmte Gruppen in bestimmen
Institutionen, zum Beispiel im Bildungswesen, aussortiert
werden. Die Kernfrage ist, wie »überleben« bestimmte
Gruppen den Konkurrenzkampf und über welche
Mechanismen werden andere »selektiert«. Die Bedeutung
des Eliminierungsbegriffes ist dabei eine doppelte: Zum
einen »Fremdeliminierung«, also Aussortierung durch
Andere, zum anderen »Selbsteliminierung«, als Form des
Aussortierens durch eigenen Verzicht. Und genau hierfür
gibt die Sprachcodeforschung viele Beispiele. Ein
bestimmter Code, eine bestimmte Art des Ausdrucks
(»Isch«, »Ey Alter«) wird fremd eliminiert. Wer so spricht,
wird abgewertet, das kommt in den Institutionen der
Bildungsvermittlung nicht an. Genau komplementär aber
funktioniert der Mechanismus der »Selbsteliminierung«.
Wenn man mit seiner Sprache nicht ankommt, wächst die
Wahrscheinlichkeit, dass man sich zurückzieht. Also auch
ohne Fremdurteil, als Ergebnis einer eigenen
Entscheidung, als Entschluss, der für alle weiteren
Handlungen vermeiden will, dass ein Gefühl von NichtAnschlussfähigkeit, von Unpassend-Sein, des
Ausgesondert-Werdens oder von Scham auftritt.
Die Mechanismen beider Formen der Eliminierung
bewirken, dass die »Eliminierten« ihre Selektion als selbstund nicht als fremdverschuldet wahrnehmen. Es ist ein
Prozess der sanften oder der schmerzlosen Eliminierung,