37 lines
1.8 KiB
Markdown
37 lines
1.8 KiB
Markdown
extremen Verunsicherung, den Informationsdefiziten (der
|
||
viel beschriebene Glaube an die Monster im Kopf eines
|
||
betroffenen Elternteils), der Desorientierung, den
|
||
Schuldgefühlen für die Krankheit der Eltern, dem zumeist
|
||
eklatanten Betreuungsmangel in den Familien und –
|
||
besonders dramatisch – der Übernahme der Sorgefunktion
|
||
von den Kindern für die Eltern.
|
||
Diese Art der Umkehrung der Sorgebeziehung, der so
|
||
bezeichneten »Parentifizierung«, entspricht dem
|
||
Rollentausch zwischen Eltern und Kindern. Dieser ist
|
||
dramatischerweise unauffällig, er geht mit einer
|
||
ernsthaften und verantwortungsbewussten Haltung der
|
||
betroffenen Kinder einher. Aber gerade diese
|
||
Überbeanspruchung der Kinder ist bekannt dafür, dass sie
|
||
in der weiteren Entwicklung besonders vulnerabel für
|
||
eigene gesundheitliche Störungen macht (als
|
||
Weiterführung hierzu Brockmann/Lenz 2016; Lenz 2014).
|
||
Die Belastungsperspektive geht von der Familie aus
|
||
|
||
Wenn familiäre Belastungen in den Blick genommen
|
||
werden, dann sind es natürlich im engeren Sinne
|
||
Beziehungsdynamiken in der Familie (Walper et al. 2015).
|
||
Wie das Beispiel der Familien mit einem psychisch
|
||
erkrankten Elternteil darüber hinaus zeigt, sind die
|
||
Lebensbedingungen einer Familie aber auch von äußeren
|
||
Faktoren abhängig. Hierzu gehören
|
||
Unterstützungsmöglichkeiten der Familie, die Wohn- und
|
||
Lebenslage, das Einkommen, Hilfe und Versorgung und
|
||
natürlich die familiären und nicht-familiären Netzwerke.
|
||
Eine komplexe Untersuchungsperspektive muss immer in
|
||
diesem Geflecht von unterschiedlichen Faktoren
|
||
Orientierung finden. Dazu bedarf es natürlich auch der
|
||
Berücksichtigung der dominanten Einflüsse auf das
|
||
Familienleben. Zu diesen gehören nach allen vorliegenden
|
||
Erkenntnissen immer noch die Bedingungen der sozialen
|
||
ökonomisch benachteiligende Lebenslagen. Sie können zu
|