2026-001/documents/einfuehrung-sozialisationstheorie/pages/349.md

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durchlebt hat, ist sie in jeder Epoche selbst auch sehr
wandelbar. Wie Familie gelebt wird, hängt von den sozialen
und ökonomischen Voraussetzungen ab, vom Einkommen
der Eltern, ihrer Lebenslage, der Familiengröße, der
Familienkonstellation und den Familienproblemen,
schließlich von kulturellen Prägungen und
unterschiedlichen Erziehungsstilen. Wir wissen heute, dass
die Persönlichkeitsentwicklung des Kindes sowohl durch
die bewussten und gezielten Erziehungsstile der Eltern als
auch durch ihr gesamtes Verhalten geprägt wird, also ihre
Einstellungen und Gesten, die sich aus dem familiären
Zusammenleben und aus ihren beruflichen,
freundschaftlichen und nachbarschaftlichen Kontakten
ergeben.
Wird hierbei im engeren Sinne von Erziehung in der
Familie gesprochen, so wird darunter der bewusste
Versuch der Beeinflussung durch die Eltern verstanden,
durch den eine Veränderung der Persönlichkeit des Kindes
erreicht werden soll. Erziehung zielt auf wünschens- und
erstrebenswerte Verhaltensweisen, Fähigkeiten,
Einstellungen und Persönlichkeitseigenschaften, die für ein
Kind als wertvoll angesehen werden.
Die meisten Eltern halten Ehrlichkeit, Selbstständigkeit
und Selbstvertrauen, Verantwortungsbewusstsein,
Hilfsbereitschaft und Leistungsfähigkeit für besonders
wichtig. Über die letzten fünfzig Jahre hinweg hat dabei
das Ziel der Vermittlung von Selbstständigkeit und
Selbstvertrauen deutlich an Gewicht gewonnen, während
die früher hoch bewerteten Vorstellungen von Ordnung und
Unterordnung (Konformität) heutzutage von den meisten
Eltern weniger gewichtet werden. Hierin spiegelt sich der
allgemeine Wertewandel in den westlichen Gesellschaften
wider. Dabei wird heute immer deutlicher, dass eine
Orientierung an den Bedürfnissen von Kindern das
durchgängige Leitmotiv von Erziehung wird (Knauf 2019).
Trotz vielfältiger Differenzierungen, mehr Trennungen,