2026-001/documents/einfuehrung-sozialisationstheorie/pages/348.md

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Spiegelbildlich profiliert sich durch die Aufnahme einer
Berufstätigkeit auch die Rolle der Mutter. Sie transportiert
jetzt ebenso wie der Vater die nicht-familiäre Außenwelt in
das Binnensystem der Familie und hat nicht mehr nur die
Rolle der emotionalen Betreuerin und Erzieherin inne.
Mit der Zunahme der Berufstätigkeit beider Eltern
wächst die Bedeutung der außerfamiliären
Erziehungseinrichtungen. Auch wenn ein Kind im Vorschulund Grundschulalter viele Stunden am Tag in einer
Einrichtung außerhalb der Familie verbringt, spielt sich ein
erheblicher Teil des täglichen Lebens weiter im sozialen
Beziehungssystem der Familie ab. Eltern übernehmen
außerdem die Aufgabe, das Kind auf die vorschulischen
und schulischen Erziehungseinrichtungen vorzubereiten,
und sie helfen ihrem Kind, die dort gewonnenen
Erfahrungen und Erlebnisse einordnen und bewerten zu
können. Welche Form die Familie auch hat sie dient
immer als eine Art sozialer Filter für die Verarbeitung von
Umwelteinflüssen. Die Impulse aus Kindergarten,
Freundesgruppe und Medien dringen in die Familie ein,
aber sie werden hier verarbeitet und interpretiert. Die Art
und Weise, wie die Umwelt wahrgenommen wird,
korrespondiert dabei eng mit der Struktur und dem Inhalt
der familiären Beziehungen. So gesehen lässt sich die
These vertreten, dass ein Kind im Kindergarten- und
Grundschulalter die soziale Welt durch die Augen des
»Systems Familie« wahrnimmt und diese Sichtweise auch
nutzt, um alle anderen sozialen Umwelteinflüsse
aufzunehmen und zu strukturieren.
Sozialisationseffekte unterschiedlicher Erziehungsstile
Was wir bisher sehr holzschnittartig dargestellt haben, ist
in der analytischen Perspektive unterschiedlicher
Beziehungsgestaltung in der Familie natürlich
differenzierter. So wie die Lebensform Familie im
Allgemeinen einen historischen Wandlungsprozess