2026-001/documents/einfuehrung-sozialisationstheorie/pages/341.md

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wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen
Rahmenbedingungen für die Familie erneut grundlegend
gewandelt. Betroffen ist davon insbesondere die
traditionelle bürgerliche Kleinfamilie, die mehr und mehr
ihre dominierende und Orientierung gebende Funktion
verliert. Dadurch wird vielen Menschen der Wandel von der
funktionsreichen Großfamilie des vorigen Jahrhunderts zur
funktionsarmen Kleinfamilie der Gegenwart erst richtig
bewusst (Ecarius 2002).
Die wichtigste Veränderung ist im Erwerbssektor zu
sehen. Aus verschiedenen Gründen sind es nicht mehr nur
die (Ehe-)Männer, die berufstätig sind, sondern auch ihre
Frauen. Auch als Mütter gehen sie immer häufiger und
intensiver einer außerhäuslichen Erwerbstätigkeit nach,
die zuvor ihren Männern vorbehalten war. Heute ist es fast
schon die Regel, dass beide Eltern berufstätig sind, wenn
der Arbeitsmarkt ihnen die Chance dazu gibt. Nur durch
die Berufstätigkeit beider Eltern lässt sich oft die
ökonomische Basis der Familie sicherstellen. Damit entfällt
einer der zentralen Parameter der traditionellen
bürgerlichen Kleinfamilie.
Mütter wählen den Weg in die Berufstätigkeit auch, um
selbstständig und unabhängig zu sein und eine soziale
Rolle außerhalb der Familie zu übernehmen. Die
Oberhaupt-Rolle des Ehemanns und Vaters ist dadurch
geschwächt oder sogar verloren gegangen. Aus diesem
Grund haben sich neben der traditionellen immer mehr
»moderne« bürgerliche Kleinfamilien gebildet, die aus
einem verheirateten Paar und Kind(ern) bestehen, aber
nicht die Arbeitsteilung der traditionellen Familienform
übernehmen. Diese modernen bürgerlichen Kleinfamilien
sind mit heute etwa 35 Prozent aller Familien schon
häufiger anzutreffen als die traditionelle bürgerliche
Kleinfamilie mit etwa 30 Prozent (World Vision
Deutschland 2010).