2026-001/documents/einfuehrung-sozialisationstheorie/pages/340.md

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anderen Verwandten, die jetzt über jeweils eigene
Haushalte mit eigenen Wohnungen verfügen. Die
Kleinfamilie ist also von verschiedensten sozialen
Institutionen und Systemen umgeben, mit denen sie in
Beziehung tritt. Sie ist auf diese Kooperation angewiesen,
weil sie sonst nicht überlebensfähig wäre.
Die Radikalität dieser historischen Veränderung war
lange Zeit nicht vollständig erkennbar, weil sich eine
ziemlich stabile Form der Kleinfamilie etablierte, die noch
einige der Charakteristika der früheren Großfamilie
aufwies. Gemeint ist die von 1900 bis in die 1980er Jahre
hinein dominierende Form der bürgerlichen Kleinfamilie,
die aus dem verheirateten Elternpaar und in der Regel zwei
oder mehr leiblichen Kindern besteht. Sie ist durch eine
strenge Arbeitsteilung zwischen dem Ehemann und Vater
als Broterwerber und der Ehefrau und Mutter als Hausfrau
und Kindererzieherin charakterisiert. Sie beruht in der
Regel auf einer patriarchalischen und hierarchischen
Struktur. Der Vater ist das unbestrittene Oberhaupt und hat
bei allen Entscheidungen das letzte Wort; die Kinder haben
ihm und der Mutter (als seiner Stellvertreterin in
Erziehungsfragen) zu gehorchen. Die bürgerliche
Kleinfamilie hält intensiven Kontakt zur Generation der
Großeltern und ist auch um intensive Beziehungen zu den
Verwandten bemüht.
Diese Form der Kleinfamilie korrespondierte mit dem
standardisierten Lebenslauf der 1950er Jahre und dem
Muster der »Normal-Biografie«, das zu dieser Zeit, wie im
fünften Prinzip dargestellt, als selbstverständlich galt. Bis
heute wird die bürgerliche Kleinfamilie dieses Zuschnitts in
großen Teilen der Bevölkerung als die »natürliche« und
ideale soziale Form von Familie angesehen.
Die wachsende Vielfalt von Familienformen
Durch die Veränderungen der gesellschaftlichen
Lebensverhältnisse seit den 1950er Jahren haben sich die