2026-001/documents/einfuehrung-sozialisationstheorie/pages/337.md

37 lines
1.9 KiB
Markdown

Ein Hauptmerkmal der gesellschaftlichen Veränderungen
seit dem 19. Jahrhundert ist die Aufgliederung eines
ursprünglich zusammenhängenden, umfassenden sozialen
Systems mit verschiedensten Aufgaben in verschiedene
neue, funktional spezialisierte Systeme. Vor und während
der Industrialisierung waren Familien ökonomische und
praktische Zweckbündnisse, die ihren Mitgliedern alle
Lebensfunktionen bis hin zu Sicherheit und Schutz boten.
In den vergangenen Jahrzehnten entsteht eine breite
Vielfalt verschiedener Ausprägungen und Formen von
Familien. Diese reicht von der Ein-Eltern-Familie über die
Familie mit zwei berufstätigen Eltern, neu
zusammengesetzten Familienteilen bis hin zur Familie mit
homosexuellen Eltern. Zudem haben sich die
Erziehungsstile mehrheitlich demokratisiert, obwohl immer
noch eine große Spannbreite zwischen »autoritären« und
»Laissez-faire«-Erziehungsmentalitäten ausgemacht
werden können.
Bis in das 19. Jahrhundert hinein war die Familie in der
Regel ein sehr großes soziales System mit vielen
Verwandten und Angehörigen mehrerer verschiedener
Generationen. Sie vereinte das tägliche Leben und
Arbeiten, aber auch das Haushalten, Kochen und Essen,
Erziehen, Bilden, Pflegen und Versorgen unter einem Dach
(Ariès 1975). Durch die tiefgreifenden Veränderungen
gesellschaftlicher Lebensverhältnisse mit der
Industrialisierung seit der Mitte des 19. Jahrhunderts
haben sich die wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen
Rahmenbedingungen für die Familie grundlegend
gewandelt. Das erwerbstätige Mitglied der Familie, in der
Regel der Ehemann und Vater, geht seiner Berufstätigkeit
nicht mehr innerhalb, sondern außerhalb der Familie nach.
Die Ehefrau und Mutter als Haushälterin und
Kindererzieherin findet ebenfalls veränderte Bedingungen
vor. Nahrung und Kleidung werden nicht mehr in der
Familie, sondern in Lebensmittel- und Textilfabriken