2026-001/documents/einfuehrung-sozialisationstheorie/pages/332.md

37 lines
1.7 KiB
Markdown

7.
Kontexte der Sozialisation
Anders als die Lebenslaufperspektive betonen Ansätze, die
auf die Kontexte von Sozialisation konzentriert sind, die
unmittelbare Umgebung des Menschen im Prozess der
produktiven Realitätsverarbeitung. Man könnte sagen, dass
dies vielleicht der unmittelbarste Bereich der Sozialisation
ist. Kontexte der Sozialisation sind gesellschaftliche
Rahmenbedingungen, die Struktur der sozialen
Ungleichheiten, Freundschaftsbeziehungen oder auch
Schule, das Medienangebot und die Lebensbedingungen
innerhalb der Familie. Das heißt, als Kontexte werden
soziale, symbolische, materielle und immaterielle Räume
verstanden, in denen Menschen agieren. Urie
Bronfenbrenners sozial-ökologisches Analysesystem, das
bereits vorgestellt wurde, ist bis heute das bekannteste
Beispiel für die Unterscheidung von System- als
Kontextbezügen im Prozess der Sozialisation.
Bronfenbrenners sozial-ökologisches Bezugssystem der
Mikro-, Meso-, Exo- und Makro-Ebene zeigt die
Verschachtelung unterschiedlicher Kontextbezüge an,
wobei entscheidend ist, dass sich die Ebenen nicht nur
nachbarschaftlich begegnen, sondern durch Bezüge des
Einschlusses und der Rahmung miteinander interagieren
(hierzu auch Dippelhofer-Stiem 2015).
Bronfenbrenners Modellvorstellung lässt sich sehr
einfach auf die Analyse von Sozialisationskontexten
übertragen. In hoch entwickelten Gesellschaften entsteht
ein breites Spektrum gesellschaftlicher Kontexte, in denen
Menschen leben und Erfahrungen machen. Die meisten
dieser Kontexte sind in Form von sozialen Organisationen
verfasst, die nach spezifischen Regeln und
Verfahrensweisen operieren. Mit dieser sozialen
Differenzierung verlagern und verbreitern sich die