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Die biografische Rhythmisierung des Lebenslaufs
Von diesem kurzen Blick auf die demografische
Entwicklung und Karl Mannheims Generationenforschung
ausgehend könnte man folgern, dass nicht der Wandel,
sondern die Stabilität eines über Generationen
gleichbleibenden Lebenslaufs die Ausnahme ist. Der
empirische Blick lässt eine solche Annahme durchaus
plausibel erscheinen. In der historischen Rückschau wie in
der Jetztzeit kann ein konstanter Wandel im Verhältnis der
Generationen abgebildet werden. Die Veränderung von
Lebenslaufintervallen drückt das am deutlichsten aus: 1950
hatte er drei Teile, nämlich den auf den Beruf
vorbereitenden (Kindheit und Jugend), den, in dem der
Beruf ausgeübt wurde (Erwachsenenalter), und den vom
Beruf entlasteten (Senior). Die Kindheit galt der
Herausbildung der grundlegenden Strukturen der
Persönlichkeit, das Jugendalter der Vorbereitung auf die
Vollmitgliedschaft in der Gesellschaft als Berufstätiger und
Familiengründer, das Erwachsenenalter war der
biografische Höhepunkt der Lebensführung und gab Status
und Sicherheit, danach folgte eine Phase des Ruhestands
und des sukzessiven Rückzugs aus der gesellschaftlichen
Verantwortung.
Eine solche Struktur des Lebenslaufs machte es möglich,
eine berechenbare, fest rhythmisierte Biografie zu
entfalten. Gesellschaftlich existierte das »Angebot« einer
normierten Lebenskarriere. Damit war ein einheitliches
Muster der Lebensführung verbunden: Jedes
Gesellschaftsmitglied konnte auf eine sinngebende
biografische Rhythmisierung des Lebenslaufs,
gewissermaßen auf eine Normal-Biografie, zurückgreifen,
die von allen Gesellschaftsmitgliedern geteilt wurde. Durch
heftige Wirtschaftskrisen und politische Umbrüche oder
auf der individuellen Ebene durch schwere
Schicksalsschläge wie Krankheiten oder Arbeitslosigkeit