37 lines
1.8 KiB
Markdown
37 lines
1.8 KiB
Markdown
lebenslaufbestimmende Wirkung entwickeln. Eine
|
|
zusammenfassende Perspektive dieser unterschiedlichen
|
|
Richtungen kann noch nicht als Synthese gelesen werden.
|
|
Vielmehr stellen die in der Lebens(ver)lauf- und
|
|
Biografieforschung verbundenen Ansätze noch immer
|
|
Beispiele der theoretischen wie methodischen Pionierphase
|
|
dar. Sie bestätigen nicht lediglich vorherige
|
|
Theorieannahmen, sondern sind an der Entwicklung von
|
|
Hypothesen zum Zusammenspiel von individuellen und
|
|
Struktureinflüssen auf den Prozess der Sozialisation
|
|
unmittelbar beteiligt.
|
|
So wird auch die Perspektive dafür eröffnet, dass
|
|
Biografiephasen nicht dauerhaft stabil, sondern hoch
|
|
dynamisch sind (Schütze 2016). Ihre Ausprägung unterliegt
|
|
Ausgangsbedingungen, die sich historisch wandeln. So
|
|
können »typische« Lebensphasen im Wandel und sogar im
|
|
Schwinden begriffen sein. In diesem Sinne wird auch die
|
|
Jugendphase, nach ihrem Aufblühen im 20. Jahrhundert,
|
|
immer weniger als eine fest umrissene Statuspassage im
|
|
Lebenslauf verstanden, die eine Verbindung zwischen der
|
|
Kindheit und dem Erwachsenenalter als Phase der
|
|
Qualifizierung und Ausbildung funktionaler Kompetenzen
|
|
herstellt (Heinen/Wiezorek/Willems 2019).
|
|
Die biografische Ausweitung von Qualifikations-,
|
|
Bildungs- und »Lern«-Perioden steht auch hier beispielhaft
|
|
für eine Entgrenzung der vormals als jugendspezifisch
|
|
angenommenen Lebensphase. Jugend ist also zum einen
|
|
nicht mehr mit einer bestimmten Lern- und
|
|
Bildungsepisode gleichzusetzen, weil diese im
|
|
Lebensverlauf mehr und mehr ausfranst. Dies bezieht sich
|
|
vor allem jugendkulturelle Muster der Lebensführung, die
|
|
schon lange nicht mehr nur Kennzeichen einer begrenzten
|
|
Lebensphase sind. Man kann auch von einer
|
|
kulturindustriellen Vereinnahmung ästhetischer
|
|
Ausdrucksweisen des Jugendalters sprechen.
|
|
Jugendästhetiken, die sich vor allem auf den Konsum
|