2026-001/documents/einfuehrung-sozialisationstheorie/pages/318.md

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ungleichen Sozialisationsbedingungen in unterschiedlichen
sozialen Milieus (z. B. Lareau 2003) vermitteln hiervon
einen guten Eindruck. Sie stehen in der Tradition der
schichtspezifischen Sozialisationsforschung und
thematisieren, wie sich Lebens- und Erfahrungsräume von
Kindern und Jugendlichen materiell und vor allem sozial
unterscheiden, weil Mentalitäten, Alltagszwänge,
ökonomische Ressourcen und Habitus unterschiedlich sind
(s. hierzu auch das neunte Prinzip).
Jugend findet also in unterschiedlichen sozialen Räumen
statt und damit auch unter unterschiedlichen Bedingungen
der Ermöglichung und Limitierung. Nicht überall existieren
jugendspezifische Freiräume, die wir positiv als eine Form
der »gestreckten« oder »verlängerten« Pubertät verstehen
können. Im Gegenteil sogar, die verkürzte Pubertät ist zwar
zunächst Merkmal der sozial Benachteiligten. Sie ist
infolge der hohen Qualifikationsanforderungen, die aus
jedem Bildungsweg eigentlich einen lebenslangen
Qualifikationsweg machen, vielleicht aber bereits in alle
sozialen Gruppen vorgedrungen. Hierzu passt, dass von
einem jugendspezifischen Kuratorium bzw. Moratorium,
das noch die frühe Thematisierung von Jugend begleitet
(Zinnecker 2003), heute eigentlich nicht mehr gesprochen
wird. Zudem kommt eine eingrenzbare Jugendphase
eigentlich nur noch in den älteren Phasen- und
Stadienkonzepten zur kognitiven, psychosexuellen,
psychosozialen oder moralischen Entwicklung vor (Freud,
Piaget, Erikson, Kohlberg etc.).
Die Lebenslauf-, Lebensverlauf- und Biografieforschung
Die relativ jungen Phänomene einer Erweiterung des
Lebenslaufs, der stärkeren Bildungsbasierung oder der
Ästhetisierung von spezifischen Lebensphasen (wie der
Jugend) müssen in der Forschung zunächst wahrgenommen
werden. Nicht immer aber sind theoretische Perspektiven
auch so schnell wie der Wandel der empirischen