2026-001/documents/einfuehrung-sozialisationstheorie/pages/306.md

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Ihren Ausgang nimmt diese Entwicklung schon im
Jugendalter. Hier sind Mädchen im Schulbildungsbereich
den Jungen überlegen. Im Erwachsenenalter setzt sich
diese Entwicklung fort, denn immer mehr Frauen wenden
sich von der Aufgabenbeschränkung auf Haushalt,
Kindererziehung und soziale Gemeinnützigkeit (die »drei
Ks«: Küche, Kinder, Kirche) ab und erschließen sich ein
viertes »K«, nämlich die berufliche Karriere. Dabei kommt
ihnen ihr Bildungserfolg zugute.
Diese Entwicklung lässt sich an dem über die letzten
dreißig Jahre kontinuierlich anhaltendem Anwachsen der
Erwerbsquote von Frauen in Deutschland ablesen (obwohl
das konservative Geschlechtermodell gerade hier sehr
lange vorherrschend war). Dieser Trend wurde von der
wirtschaftlichen und konjunkturellen Entwicklung kaum
beeinflusst und setzte sich auch während wirtschaftlicher
Krisenzeiten unvermindert fort. Im gleichen Zeitraum ist
der prozentuale Anteil der erwerbstätigen Männer stetig
gesunken. Diese Trends bringen auch symbolisch zum
Ausdruck, wie stark der Drang von Frauen ist, ihre soziale
Rolle in den modernen Gesellschaften grundlegend zu
verändern sowie im ökonomischen und zunehmend auch im
politischen Bereich einen aktiven Part zu übernehmen.
Sowohl bei Frauen als auch bei Männern gibt es aber
unabhängig von dieser Entwicklung große Teilgruppen, die
den traditionellen sozialen Status »Erwachsener« nicht voll
erfüllen, weil sie nicht berufstätig sind und nicht in einem
Familienkontext mit eigenen Kindern leben. Immer seltener
werden sie aber in der Öffentlichkeit so wahrgenommen.
Wenn sich Erwachsene bewusst dafür entscheiden, keine
Familie zu gründen, wird das heute nicht mehr als
folgenschwere Widersetzung gegen vordefinierte
Rollenerwartungen empfunden, und unter bestimmten
Umständen (zum Beispiel bei einer Behinderung oder
intensiver Pflegearbeit) gilt das auch für
Nichterwerbstätige. Trotz einer zunehmenden Enge bei der