2026-001/documents/einfuehrung-sozialisationstheorie/pages/299.md

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angemessenes eigenes Selbstbild voraus, also eine
realistische Einschätzung der personalen und sozialen
Ressourcen. Voraussetzung für den Aufbau eines
Selbstbildes ist die Fähigkeit, zwischen der eigenen Person
mit ihrer inneren Realität und der umgebenden äußeren
Realität unterscheiden zu können. Diese Fähigkeit baut
sich im Verlauf der Entwicklung im Jugendalter auf. Die
reflexive Beziehung eines Menschen zu dem eigenen
Körper und persönlichen Bedürfnissen, Motiven und
Interessen wird differenzierter und komplexer und erreicht
in der frühen Jugendphase eine qualitativ neue
Entwicklungsstufe.
In den entwicklungspsychologischen Theorien wird das
Jugendalter als ein Abschnitt verstanden, in dem heftige
persönliche Entwicklungskrisen im Lebenslauf auftreten.
Junge Frauen und junge Männer in der Pubertät reagieren
äußerst sensibel auf die Veränderungen von Körper und
Psyche, aber auch auf die sich ihnen unvermittelt
stellenden Herausforderungen in der sozialen und
physischen Umwelt. Es handelt sich um eine besonders
konfliktanfällige Zeit, in der es eine Abfolge von
»Adoleszenzkrisen« zu bewältigen gilt
(Silbereisen/Hasselhorn 2008).
Die hiermit verbundenen Spannungen und
Stimmungsschwankungen müssen voll durchlebt werden,
um eine ausgereifte Persönlichkeitsstruktur mit einem
Ausgleich von Individuations- und Identitätsanforderungen
aufbauen zu können. Nur nach dem Durchstehen dieser
Krisen kann es gelingen, über eine oberflächliche
Anpassung an die gesellschaftlichen und kulturellen
Verhältnisse, etwa durch eine mechanische
Leistungsmotivation und eine materialistische Orientierung
an Geld, Ansehen und Karriere, hinwegzukommen und
autonome Handlungskompetenzen aufzubauen.
Da die heutigen individualistisch geprägten
Gesellschaften so viele Freiräume für unkonventionelle