2026-001/documents/einfuehrung-sozialisationstheorie/pages/294.md

38 lines
2.1 KiB
Markdown

In der »World-Vision-Kinderstudie« ist diese Situation
präzise beschrieben worden:
»Kinder haben je nach Schichtzugehörigkeit unterschiedliche
Gestaltungsspielräume. Armut und fehlende häusliche Ressourcen führen
zu geringeren Teilhabemöglichkeiten: in der Familie, in der der materielle
Druck und die existenziellen Sorgen von den Kindern bereits sehr genau
registriert werden, in der Schule, in der die Möglichkeiten für eine
individuelle Förderung zum Ausgleich von Nachteilen fehlt, sowie im
Wohnumfeld oder hinsichtlich der Möglichkeit, in Vereinen mitzumachen
oder Kreativangebote zu nutzen. Kinder aus den unteren Schichten sind
häufiger auf sich allein gestellt. Es fehlt ihnen an Rückhalt, an Anregungen
und an gezielter Förderung. In der Konsequenz ist der Alltag dieser Kinder
bei einem größeren Teil einseitig auf Fernsehen oder auf sonstigen
Medienkonsum ausgerichtet. Jungen sind hierfür besonders anfällig«
(World Vision Deutschland 2010, S. 16).
Calderón-Almendros (2011) gibt einen Einblick in die
Lebenswelt depravierter Jugendlicher, die sich selbst als
abgehängte und abgedrängte Gruppe wahrnehmen, in
Armenquartieren leben, chancenlos sind und gegen Polizei
und Schule in Opposition gehen, weil sie für die Lebenswelt
derjenigen stehen, die Macht und Einfluss haben. Die
Wechselwirkung aus wahrgenommener Chancenlosigkeit
und dem Nicht-Wahrnehmen von Chancen geht hier in
einen Teufelskreis ein. Im Kontrast dazu können die Kinder
aus den gehobenen Schichten von Anfang an ihre besseren
Chancen tatsächlich auch nutzen. Sie verfügen im
Vergleich über mehr Gestaltungsspielräume. Ihr familiärer
Bildungshintergrund eröffnet ihnen den Zugang zu einer
vielfältigen und kreativen Form der Freizeitgestaltung.
Deshalb kann sich bei ihnen das Vertrauen bilden, selbst
Dinge gestalten zu können. Sie verfügen über ein höheres
Maß Selbstwirksamkeit an und diese wird fortlaufen
stimuliert. Sie können vielfältigere Gelegenheiten nutzen,
um einen stabilen Freundeskreis aufzubauen, und
gleichzeitig erleben sie, dass ihre eigene Meinung weitaus
häufiger wertgeschätzt wird: