2026-001/documents/einfuehrung-sozialisationstheorie/pages/289.md

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Zugleich verlängert sich zumindest auf den ersten Blick
das Jugendalter durch eine ausgedehnte schulische und
berufliche Bildung. Qualifikationszeiten ziehen sich zeitlich
in die Länge, die Übernahme der Erwerbs-, Familien-,
Konsumenten- und Bürgerrolle, die den Erwachsenenstatus
kennzeichnen, verschiebt sich. Am Ende des Lebens ergibt
sich für immer mehr Menschen eine ausgedehnte
Seniorenphase, die historisch einzigartig und mit der
Verlängerung der durchschnittlichen Lebensdauer
verbunden ist.
DAS FÜNFTE PRINZIP UNTER DER LUPE
Das fünfte Prinzip vereint viele der vorgestellten Aussagen
aus den psychologischen Theorien. In den soziologischen
Theorien legen insbesondere die erörterten Ansätze von
Jürgen Habermas und des großen Spektrums
sozialkonstruktivistischer Modelle Gewicht auf die
lebenslaufbezogenen Aussagen. Auch betont Pierre
Bourdieus Theorie des Habitus die Bedeutung aufeinander
aufbauender Erfahrungs- und Wissensvorräte, die zu einer
zusammenhängenden Identität der Persönlichkeit und
einem kohärenten Wahrnehmungs-, Denk- und
Handlungsschema (Habitus) einer Person führen. Dabei ist
zu berücksichtigen, dass die Lebenssituation vieler
Menschen vor allem dadurch charakterisiert ist, dass
Spielräume zur Entwicklung der eigenen Persönlichkeit
erweitert wurden, weil die soziale und geografische
Mobilität zugenommen hat. Zugleich ist ein wichtiger
Faktor die Verlängerung der Lebensdauer und genauer, die
Verlängerung der Option auf ein gesundes und weitgehend
unabhängiges Leben in der erweiterten Lebensphase als
Seniorin oder Senior.
Bis in das 19. Jahrhundert hinein gab es die Abgrenzung
zwischen den Lebensphasen Kindheit, Jugend und
Erwachsenenalter nicht. Für Kinder kannte man in der