2026-001/documents/einfuehrung-sozialisationstheorie/pages/285.md

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Tatsächlich ist die Diagnose einer Individualisierung der
Gesellschaft in Verbindung mit gestiegenen
Freiheitsgraden nicht unumstritten (Zinn 2006).
Wahrscheinlicher ist, dass die gestiegene
Individualisierung ein Effekt der Zunahme von
Konkurrenzverhältnissen ist und sich nicht die nur die
Freiheit, sondern auch der »Zwang« zur individuellen
Verantwortung herausgebildet hat. In der Summe ist es
aber so, dass in der einen wie der anderen Variante
Biografie-Optionen bedeutsamer werden. Sie bedeuten den
Zwang, richtig auszuwählen und einen Lebensplan zu
entwerfen. Einen Masterplan dafür gibt es nicht, und
Modelle und Vorbilder, an denen man sich fest orientieren
kann, sind wandelbar. Die hohe Entscheidungslast für die
Gestaltung der eigenen Biografie und Maßstäbe für die
individuelle Lebenslaufnavigation werden mehr und mehr
zu einem lebensbegleitenden Thema
(Kohli/Künemund 2000).
Zweifellos ist mit dieser Entwicklung in jeder Phase des
Lebenslaufs ein hohes Maß an »Selbstorganisation«
notwendig, um Anforderungen an die Individuation und
Integration miteinander zu verbinden. Eine stabile IchIdentität ist in dieser Hinsicht ebenso sehr die
Voraussetzung wie das Ergebnis der Prozesse des
Aushandelns. Voraussetzung dafür ist eine genaue
Wahrnehmung der »inneren Realität« der körperlichen und
psychischen Ressourcen, um mit ihnen in eine aktive
Auseinandersetzung mit der »äußeren Realität« der
sozialen und physischen Lebensbedingungen zu treten.