2026-001/documents/einfuehrung-sozialisationstheorie/pages/280.md

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Gesundheitsforschung geworden (SinghManoux/Marmot 2005; Wilkinson/Pickett 2010). Daneben
hat sich die Diskussion über Identität in einigen
sozialisationstheoretischen Ansätzen ebenfalls
weiterentwickelt.
Neue Theorieperspektiven fokussieren auf den Aspekt
der Erfahrungen, die gesammelt werden, und den Prozess
der Erfahrungsverarbeitung. Beide Aspekte bzw. Vorgänge
versuchen, Realitätsverarbeitung als einen Vorgang der
Identitätsbildung bzw. der permanenten
Identitätsveränderung zu beschreiben. Beispiele hierfür
gibt die Diskussion zu den Themen Reziprozität und
Ambivalenz. Sie stehen für eine sozialisationstheoretische
Perspektive, die auf Beziehungspraxis fokussiert,
»ausgehend von humanspezifischen Bedürfnissen nach
Handlungskoordination und nach sozialen
Handlungsbezügen die Gleichursprünglichkeit von
Sozialisation als Prozess der Persönlichkeitsgenese und der
Gestaltung sozialer Beziehungen thematisiert.«
(Grundmann 2015, S. 162) Der Soziologe Matthias
Grundmann (geb. 1959) verweist entsprechend auf
unterschiedliche Wellen der Thematisierung von
Sozialisation, an deren Beginn die Frage der möglichst
reibungslosen sozialen Integration und am Ende Fragen
der sozialen Offenheit, der Unsicherheit und des Umgangs
mit entwicklungsoffenen (kontingenten) und zudem
uneindeutigen (ambivalenten) Handlungssituationen
stehen:
»Die 1. Phase ist durch die Problemdefinition der
Integrationsbedürftigkeit von Individuen in moderne
Gesellschaften (einschließlich des
Subjektivierungsdiskurses) gekennzeichnet.
Die darauf folgende 2. Phase fokussiert die
gesellschaftliche Bedingtheit der
Persönlichkeitsentwicklung. Sie folgt der