2026-001/documents/einfuehrung-sozialisationstheorie/pages/244.md

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6.
Produktive
Realitätsverarbeitung im
Lebenslauf
Nachdem im vorangehenden Kapitel die beiden
grundlegenden, konzeptionellen Prinzipien des MpR
formuliert wurden, wird das Modell nun weiter entfaltet,
indem die Betrachtung empirischer Phänomene der
produktiven Realitätsverarbeitung mit der
Lebenslaufperspektive verbunden werden. Innerhalb eines
Jahrhunderts, im Zeitraum von 1900 bis 2000, haben
ökonomische und soziale Veränderungen, vor allem der
ständig anwachsende Wohlstand, die Verlängerung der
Bildungs- und Ausbildungszeiten und die permanente
Verbesserung der Arbeitsbedingungen zu einem spürbaren
Strukturwandel des Lebenslaufs geführt, der unmittelbare
Auswirkungen auf die Abfolge und den Zuschnitt der
einzelnen Lebensphasen hat. Nehmen wir die drei
Zeitpunkte 1900, 1950 und 2000 als Wegmarken für einen
historischen Vergleich, dann lässt sich die Veränderung der
Strukturmerkmale des Lebenslaufs mit seiner Einteilung in
verschiedene Lebensphasen idealtypisch veranschaulichen.
So bestand der Lebenslauf im Jahr 1900 aus den Phasen
der Kindheit und des Erwachsenenalters. Der Übergang
von der Kindheit in das Erwachsenenalter fiel meist mit
dem Übergang in das Erwerbsleben und dem Aufbau einer
eigenen Familienbeziehung mit Kindern zusammen. Nur in
einer Minderheit äußerst begüterter oder privilegierter
Gruppen war eine längere Ausbildungsphase vorgesehen,
die Merkmale des Jugendalters erkennen ließ. Für die
meisten Menschen gab es diese Differenzierung aber nicht
und auch das Ende des Erwachsenenalters trat schnell,
noch in der Erwerbsphase mit dem für heutige Verhältnisse