2026-001/documents/einfuehrung-sozialisationstheorie/pages/240.md

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verhalte ich mich, was darf ich auf gar keinen Fall tun, wie
gehe ich mit modernen Rollenbildern um?) ist ein aktiv von
der Persönlichkeit herzustellender Prozess der
Wahrnehmung, des Denkens und des Handelns.
So viele Rollenerwartungen auch vorhanden sind, so viele
Alternativen müssen dennoch abgewogen und in Einklang
gebracht werden. Keine Handlungssituation ist also so
vorherbestimmt, dass der individuelle Handlungsspielraum
aufgelöst wird (aus der systemtheoretischen Perspektive
hierzu Scherr 2015). Es wäre also ein Kurzschluss, das
MpR und die besondere Bedeutung der aktiven
Entwicklung der eigenen Persönlichkeit so zu verstehen,
dass nur eine durchgehend vorhandene
Handlungsautonomie diese Bedingung erfüllt. Der Modus
der Produktion der eigenen Entwicklung ist auch aktiv,
wenn ein Individuum Kompromisse eingeht und
Einschränkungen der persönlichen Entfaltung hinnimmt.
Nur in Handlungssituationen des absoluten Zwangs, in
denen keine Alternative mehr gegeben ist, hat der Modus
der Produktion der Persönlichkeit keine Bedeutung mehr
für die aktive Beeinflussung einer Handlungssituation.
Im umgekehrten Sinne sind die produktive
Realitätsverarbeitung und damit das Maß der
»Selbstsozialisation« keine Errungenschaft der Moderne,
auch nicht einer Verringerung von Fremdzwang oder einer
Art Auflösung von Prozessen der gesellschaftlichen
»Fremdsozialisation«. Die aktive Gestaltung oder
Produktion der eigenen Persönlichkeit ist konstitutiv mit
der menschlichen Entwicklung verbunden. Eine empirische
Frage ist allerdings, wie stark gesellschaftliche
Freiheitsgrade die Möglichkeitsräume der Abweichung
(von den Normierungen der Lebensführung) erweitern oder
verschließen.
Die Verringerung oder Zunahme von Freiheiten im
Verlauf der historischen Entwicklung von Gesellschaften ist
sehr schwer einzuschätzen. Ein Beispiel hierzu macht viele