2026-001/documents/einfuehrung-sozialisationstheorie/pages/225.md

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gegeben ist, weil traditionelle Vorgaben hinsichtlich
sozialer Rollen und kultureller Normen relativiert wurden
und hierdurch den allermeisten Menschen ein erweiterter
Spielraum für individuelle Profilierungen zur Verfügung
steht. Analytisch betrachtet beschreibt die Annahme der
aktiven Entwicklung der eigenen Persönlichkeit einen
allgemeingültigen Mechanismus der Sozialisation. Dieser
Mechanismus umfasst die unmittelbare Beteiligung der
Motivations- und Sinnstrukturen bei der Gestaltung der
Persönlichkeit, die Herstellung von Kontinuität in der
individuellen Biografie und das kumulative Prinzip des
Ineinandergreifens von Vorerfahrungen und jenen
Erfahrungen, die unmittelbar an Dispositionen und einen
bereits verfügbaren Vorrat an Wissen anschließen.
Die menschliche Persönlichkeit formt sich von der
frühesten Entwicklung als Säugling und als Kleinkind an,
über das Jugendalter und das Erwachsenenalter hinweg bis
ins hohe Alter in der Interaktion zwischen verfügbaren und
erworbenen individuellen Merkmalen sowie der
materiellen, sozialen und symbolischen Ausstattung der
Umwelt ständig weiter. Die Verarbeitung ist »produktiv«,
weil sie sich aus der jeweils individuell besonderen
Auseinandersetzung mit den inneren und äußeren
Bedingungen ergibt. Das Wort »produktiv« sagt aber noch
nichts darüber aus, ob es sich um eine erfolgreiche
Verarbeitung handelt, die Vorteile für die weitere
Persönlichkeitsentwicklung mit sich bringt, ob es also zu
einer Bewältigung von Problemen oder Krisen in der
Persönlichkeitsentwicklung kommt oder nicht. »Produktiv«
wird also nicht als wertender, sondern als beschreibender
Begriff verwendet.
Realitätsverarbeitung beschreibt in sehr analoger
Hinsicht die Fähigkeit, sich durch eigene Aktivität Realität
anzueignen. Damit ist die Tätigkeit des Individuums
gemeint, die äußere Realität vor dem Hintergrund der
bereits erworbenen Erfahrungen wahrzunehmen, zu