2026-001/documents/einfuehrung-sozialisationstheorie/pages/223.md

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Umwelt-Interaktionen, wenn die variierende Form der
individuellen Situationssteuerung berücksichtigt wird.
Diese Annahme der Person-Umwelt-Kovariationen geht
davon aus, dass sozialisationsrelevante Umwelten auch das
Resultat des aktiven Filterns und Aufsuchens sind.
Menschen wählen ihre Umwelten also aus und damit auch
die Einflüsse, denen sie sich aussetzen.
Zusammenfassend lassen sich die Befunde der
Neurobiologie und insbesondere auch die der Epigenetik
mit Lechner und Silbereisen (2015) so interpretieren, dass
die Dichotomie (also der reinen Gegenüberstellung) von
Anlage und Umwelt beziehungsweise von Organismus und
Kontext aufgehoben wird, weil sich die genetische
Ausstattung eben nicht als mechanische Determination
(also als nicht-variable Bestimmung) der menschlichen
Entwicklung erweist, sondern stets im »Dialog« mit der
Umwelt zur Geltung kommt. Selbst die Genstruktur eines
Menschen steht hiernach unter dem Einfluss von
Umwelteinflüssen. Wenn die genetische oder epigenetische
Struktur wirksam wird, dann in einer Variante, in der eine
Person-Umwelt-Interaktion bereits stattgefunden hat.
Neurowissenschaftliche Befunde bestätigen parallel jene
Annahmen, die eine frühe Prägung von langlebigen oder
stabilen Persönlichkeitseigenschaften nahelegen. In der
Persönlichkeitspsychologie spricht man von
Persönlichkeitseigenschaften mit einer hohen
transsituativen Konsistenz, die einmal ausgebildet über
eine lange Dauer hinweg und handlungsfeldübergreifend
wirksam bleiben. Pointiert könnte man sagen, es ist die
Rückkehr der Umwelt in die auf das einzelne Individuum
bezogenen Ansätze der Psychologie, Genetik und
Verhaltensforschung. Dass diese Ansätze wiederum mit
vielen soziologisch orientierten Ansätzen übereinstimmen,
ist eine echte Überraschung in der Entwicklung des
Forschungsdiskurses in den Neurowissenschaften.
Gleichzeitig geben diese Ansätze einen Einblick in sensible