2026-001/documents/einfuehrung-sozialisationstheorie/pages/218.md

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Gedächtnis und Aufmerksamkeit vollzieht sich während der
gesamten Lebensspanne (Becker 2015).
Hirnfunktion und Persönlichkeitsentwicklung
Neben der Forschung zur Veränderbarkeit neuronaler
Netzwerke ist die zur physiologischen Ausstattung des
Gehirns von großer Bedeutung für die
Sozialisationsforschung. Bei Kindern konnten bisher mit
den bildgebenden Verfahren der Hirnanalyse zwar
anatomische und funktionelle Prozesse noch kaum erfasst
werden. Erste Rückschlüsse zum Beispiel zu
Gewalterfahrungen in der Kindheit oder anderen
traumatischen Ereignissen (Unfall, Tod eines Elternteils)
lassen sich aber bereits ziehen. Dabei findet die Epigenetik
ein stetig größer werdendes Interesse. Ihre Leitfrage
lautet, welches die einzelnen (innerorganismischen, aber
auch Umwelt-)Faktoren sind, die eine Aktivität des Gens
festlegen, und ob sich diese Festlegung vererbt. Unter
anderem geht es also darum, zu klären, wie die Umwelt
»unter die Haut« gelangt und mit dem Genom interagieren
kann (Lechner/Silbereisen 2015). Das ist zweifellos eine
sozialisationstheoretisch wichtige Frage.
Auch in dieser Hinsicht wird deutlich, dass die Annahme
einer Determination von Verhaltens- und
Erlebensmerkmalen durch die Genstruktur inzwischen als
unrealistisch gilt. Ob und wann Gene tatsächlich zur
Ausprägung gelangen, wird von verschiedenen
biochemischen Mechanismen gesteuert, in die
Verursachungskette gehören aber ebenso die
Umwelteinflüsse auf das Gen. Dass epigenetische Prozesse
eine wichtige Rolle während der Embryonalentwicklung
spielen, wurde schon vor vielen Jahren erkannt. Die
Anpassbarkeit der Genstruktur an Umweltbedingungen
wird inzwischen für die gesamte Lebensspanne
angenommen. Umwelteinflüsse können hiernach die
Genexpression über eine lange Reihe von