37 lines
1.8 KiB
Markdown
37 lines
1.8 KiB
Markdown
gilt. Von einem determinierenden erblichen (also
|
|
genetischen) Faktor zu sprechen, ist unredlich. Selbst in
|
|
der Psychiatrie wird in vergangenen 20 Jahren der Faktor
|
|
der genetischen Determination immer weiter nach unten
|
|
korrigiert.
|
|
Der Sozial-Epidemiologie, einer Verbindung von
|
|
Gesundheits- und Sozialforschung, ist in dieser Hinsicht ein
|
|
Durchbruch nach dem anderen gelungen. Durch diese hoch
|
|
spezialisierte Gesundheitsforschung ist inzwischen
|
|
bekannt, dass kritische Lebensereignisse,
|
|
Gewalterfahrungen oder der sozioökonomische Statuts
|
|
Einfluss auf Stress, Krankheit, die Entwicklung von
|
|
Hirnstrukturen und die Ausprägung der genetischen
|
|
Anlagen haben. Inzwischen wird also immer weniger
|
|
Genetik selbst dort angenommen, wo die menschliche
|
|
Entwicklung stark durch die Erbanlagen geprägt ist.
|
|
Der Mensch ist »nur« ein Erfahrungswesen
|
|
|
|
Pränatale Umwelteinflüsse beispielsweise sind heute in
|
|
einem Maße für die Entstehung von Krankheiten
|
|
verantwortlich zu machen, wie sich das ältere
|
|
Prägungsannahmen niemals haben träumen lassen.
|
|
Lebenserwartungsunterschiede können in der Bevölkerung
|
|
mehr als 20 Jahre betragen, wenn sich die Lebensumstände
|
|
ändern. Der Einfluss unterschiedlicher genetischer
|
|
Ausstattungen ist dabei irrelevant. »Adversities« (englisch
|
|
Widrigkeiten) bezeichnen das Stichwort einer neuen
|
|
interdisziplinären Forschung zu Belastungen im
|
|
Lebenslauf. Sie machen die Unterschiede in den Bereichen
|
|
der Persönlichkeits- und Kompetenzentwicklung,
|
|
Gesundheit und Schulerfolg aus. Bedeutsamer kann die
|
|
Wirkung von Umwelteinflüssen also kaum noch einschätzt
|
|
werden. Die alte Humangenetik mit ihrer Orthodoxie
|
|
kämpft nicht nur auf dieser Ebene gegen die inzwischen
|
|
verfügbare Empirie an. Problematisch ist vor allem, mit der
|
|
Genetik auf die Entwicklung eines Menschen, das
|