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Sozialisationsparadigma ab der Mitte des 20. Jahrhunderts
zu einem Kernbestandteil unseres Denkens über das
Soziale geworden (Veith 2008; Hörner/Drinck/Jobst 2010;
Tillmann 2000).
Diese generelle Vorstellung der Prägewirkung durch
Umweltbedingungen, die bis in die 1960er Jahre hinein
sozialisationstheoretische Ansätze dominierte, wird
seitdem mehr und mehr zurückgedrängt. Insbesondere die
zunehmende Kritik an den strukturfunktionalistisch
inspirierten Strömungen im Anschluss an Parsons macht
das deutlich. Zunächst wird das Konformitätsmodell der
strukturfunktionalistischen Rollentheorie kritisiert, wonach
der einzelne Akteur immer nur als eine Art Anhängsel
gesellschaftlicher Strukturen gilt. Dann kommt es zu
grundsätzlicher Kritik an der Parsons vorgeworfenen
Vorstellung der »gesellschaftlichen Übersozialisierung«,
etwa durch den Aufsatz von Dennis Wrong (1961) mit dem
Titel »The oversocialized concept of man« oder in
Deutschland durch die Arbeiten von Gerhard
Wurzbacher (1963).
Mit der Zurückweisung einer lediglich passiven
Subjektivität entwickelt sich in der Sozialisationsforschung
eine anti-deterministische (also eine gegen die Vorstellung
der Dominanz sozialer Strukturen gerichtete) Tendenz.
Insbesondere der Aspekt der gesellschaftlichen Prägung
und der Anpassung an vorgegebene soziale Strukturen, der
als »Vergesellschaftung« verstanden wurde, wird mehr und
mehr relativiert. An seine Stelle tritt ein Leitverständnis
von Sozialisation als »Individuation«, als Entwicklung zu
einer autonomen, sich selbst steuernden Persönlichkeit. Die
Perspektive auf die Entwicklung von
Persönlichkeitsmerkmalen, Fähigkeiten und Kompetenzen,
um eigenständig und autonom zu handeln, besitzt nicht
zufällig seine Verankerung in der psychologisch
orientierten Diskussion mit dem Leitmotiv der »Individuals
as Producers of Their Development« (siehe die Theorie von