2026-001/documents/einfuehrung-sozialisationstheorie/pages/184.md

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ausgerichtet waren. Alle nachfolgenden soziologischen
Theorien haben hingegen den Schwerpunkt der
wissenschaftlichen Analyse auf das Wechselspiel von
Individuum und Gesellschaft und das spannungsreiche
Ausgleichen von individuellen Bedürfnissen der
Identitätssicherung einerseits und sozialen
Integrationsanforderungen andererseits verschoben. Es
bedurfte also einer Übergangs- und Entwicklungszeit, bis
sich entsprechende Denk- und Theoriemuster in der
Debatte durchgesetzt haben. Der interaktionistische Ansatz
Meads mit seiner Vorstellung vom Menschen als
schöpferischem Gestalter seiner sozialen Lebenswelt war
für diese Sichtweise bereits wegweisend. Auch Parsons
schlägt mit seinem Konzept der gegenseitigen
Durchdringung der Systeme Organismus, Person und
Gesellschaft eine solche interaktionistische Richtung ein.
Später ist es Bourdieus Praxeologie, die wie keine andere
die Komplexität eines Ansatzes in sich aufnimmt, der die
beiden auseinanderliegenden Pole Individuum und
Gesellschaft in sich aufzunehmen weiß.
Vom Außen- zum Innenleben im Sozialisationsprozess
Von heute aus betrachtet entwirft der soziologische
Fachdiskurs ein an Komplexität gewinnendes Bild. In
diesem ist Sozialisation nicht ein Prozess, durch den
heranwachsende Individuen befähigt werden,
gesellschaftliche Anforderungen an ihr Handeln zu erfüllen,
sondern Menschen werden in allen Stadien ihrer
Entwicklung immer schon als Persönlichkeit aktiv. Die
neuere Kindheitsforschung, die später eingeführt wird,
wird diesen Standpunkt parallel stark machen. In ihr
werden Kinder als »Beings« (als bereits »Agierende«) und
nicht als »Becomings« (also nur als »Werdende«)
bezeichnet. Ebenso deutlich wie andere soziologische und
psychologische Theorien wendet sie sich damit gegen die
ältere Vorstellung des passiven Subjekts im