2026-001/documents/einfuehrung-sozialisationstheorie/pages/179.md

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Bronfenbrenners Konzeption kennt im Unterschied zu
anderen lern- und entwicklungspsychologischen Ansätzen
keine feste Abfolge von Entwicklungsschritten der
Persönlichkeit. Bronfenbrenner teilt aber einige der
wichtigsten Annahmen anderer Lern- und
Entwicklungstheorien, indem Entwicklung als der
summierte Niederschlag der Anregungsimpulse der
sozialen Umwelt verstanden wird. Die Entwicklung der
Persönlichkeit folgt in Bronfenbrenners Konzeption keinen
zwingend aufeinander aufbauenden Regelmäßigkeiten und
steuert auch nicht auf irgendeinen Ziel- oder Endzustand
hin, sondern ist prinzipiell formbar und beeinflussbar.
Trotzdem kennt Bronfenbrenner so etwas wie den sich
herausschälenden Kern einer Persönlichkeit. Er nennt dies
»molar« und mein damit eine Persönlichkeits-, Aktivitätsund Handlungsebene: »Eine molare Tätigkeit oder Aktivität
ist ein über eine gewisse Zeit fortgesetztes Verhalten, das
sine eigenes Beharrungsvermögen besitzt und von den am
Lebensbereich Beteiligten als bedeutungs- oder absichtsvoll
wahrgenommen wird.« (Bronfenbrenner 1981, S. 60)
Bronfenbrenner weist auf die Beständigkeit von
Persönlichkeitszügen hin und man könnte hierin auch eine
Ähnlichkeit zu jenen Theorien kennen, die von den festen
Dispositionssystemen eines Menschen ausgehen (etwa auch
Bourdieus Habitus-Annahme). Es finden sich aber wichtige
Ansatzpunkte für die Ähnlichkeit zu anderen
Entwicklungstheorien. Mit jedem Schritt des Übergangs
von einem Lebensbereich in einen anderen und mit jeder
Erweiterung des sozialen Aktionsradius eines Menschen
tritt nach Bronfenbrenner die Erweiterung der jeweils
spezifischen Fähigkeiten und Kompetenzen ein
(Grundmann/Lüscher 2000; Magnusson/Allen 1984;
Silbereisen 1986). Der Mensch ist also ein Wesen, dass
Wissen und Fertigkeiten akkumuliert und dadurch immer
besser anpassungsfähig ist an die Herausforderungen, die
sich in unterschiedlichen Handlungssystemen stellen.