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DIE THEORIE DER SELBSTENTWICKLUNG VON
RICHARD M. LERNER
Eine stark auf die Selbststeuerungsfähigkeit des Menschen
konzentrierte Entwicklungstheorie stammt von dem
amerikanischen Sozialpsychologen Richard M. Lerner
(geboren 1946). Diese Theorie postuliert, dass sich der
Mensch als »Produzent seiner eigenen Entwicklung« nicht
nur flexibel an die Umwelt anpasst, sondern diese auch
selbst bearbeiten und gestalten kann. Im Sinne des
Ansatzes von George Herbert Mead, vor allem aber
angeregt durch die Theorie des sozialen Lernens Albert
Banduras werden durch diese Umweltgestaltung die
Rahmenbedingungen für die weitere
Persönlichkeitsentwicklung geschaffen. Es ist also nach
Lerner der Mensch, der die Bedingungen für die
»Produktion« seines Selbst herstellt (Lerner 1976).
Nach der Theorie der Selbststeuerung der menschlichen
Entwicklung sind Menschen vom Kindesalter an Gestalter
ihrer Persönlichkeit (Lerner/Busch- Rossnagel 1981). Nicht
mehr die Kontinuität der Entwicklung als eine einlinige,
streng aufeinander aufbauende Abfolge von Eigenschaften
und Merkmalen der Persönlichkeit (wie bei Piaget) wird
betont, sondern die Flexibilität, die es ermöglicht, auch
über Diskontinuitäten der persönlichen Entwicklung
hinweg ein Persönlichkeitskonzept aufrechtzuerhalten.
Besonders wird die individuelle Einmaligkeit jeder
Persönlichkeit herausgestellt, die auch dann hervortritt,
wenn die gleichen kulturellen, sozialen und physikalischen
Umweltbedingungen gegeben sind. Diese Selbstentfaltung
des Individuums wird aber nur als möglich erachtet, wenn
ein Mensch sich auf die soziale Umwelt und ihre
Bedingungen einlässt und sich aktiv an der Gestaltung
dieser Umwelt beteiligt. Zufriedenheit mit der eigenen
Persönlichkeitsentwicklung kann sich nur dann einstellen,
wenn eine realistische Einschätzung der jeweiligen