2026-001/documents/einfuehrung-sozialisationstheorie/pages/170.md

37 lines
1.8 KiB
Markdown

Einstellungen und Bewertungen bis zu sozialen
Verhaltensdispositionen (Rosemann/Bielski 2001, S. 45).
Die soziale Lerntheorie ist noch stärker als die Ansätze
Piagets und Kohlbergs dadurch bestimmt, die Unterschiede
zur klassischen Lerntheorie Watsons darzustellen. Er setzt
sich noch deutlicher von der »bewusstlosen« Konzeption
der Reiz-Reaktions-Verbindungen ab und betont die
subjektive Verarbeitung von Erfahrungen in einem von
jedem Individuum nach eigenen Maßstäben gesteuerten
Prozess. Kreativität und Selbstverantwortlichkeit des
Menschen werden stark gewichtet. Wie Ulich (1991, S. 71)
betont, ist für Bandura Lernen niemals passive Aufnahme,
sondern immer aktive Aneignung, Verarbeitung,
Kanalisierung und Strukturierung von Erfahrungen.
Der Ansatz des sozialen Lernens im Sozialisationsprozess
Ausgehend von ihrer gesamten Anlage, liegt der
Schwerpunkt der sozialen Lerntheorie auf der
systematischen, theoretischen und methodischen Analyse
spezifisch menschlicher Interaktion. Dabei sind die
Unterschiede zu der klassischen Lerntheorie mannigfaltig.
Bandura, der selbst noch in dem älteren Denken des
Behaviorismus geschult wurde, wirft diesem vor, die
menschliche Persönlichkeit als ein unbeschriebenes Blatt zu
verstehen, das beliebig durch äußere Umwelteinflüsse
programmiert werden könne. Seine eigene soziale
Lerntheorie will diese Defizite überwunden sehen. Sie
bezieht körperliche und psychische Anlagen der Menschen
mit ein. Ihr Fokus sind innerpsychische Vorgänge, die damit
nicht mehr länger als Blackbox der Analyse gelten, sondern
als ihr Hauptgegenstand. Dadurch ist die soziale
Lerntheorie für die Sozialisationstheorie eine hochrelevante
Basistheorie geworden.
In den 1970er Jahren hat Bandura seine Theorie erweitert
und das Konzept »Selbstwirksamkeit« zusätzlich
eingeführt. Es bezeichnet die Überzeugung eines