2026-001/documents/einfuehrung-sozialisationstheorie/pages/169.md

36 lines
1.7 KiB
Markdown

Gruppenarbeit, Rollenspiel, Übungsaufgaben und
Gespräche zur Beeinflussung des Sozialverhaltens von
Kindern und Jugendlichen besonders aussichtsreich. Auch
das Beobachtungslernen durch die Imitation eines anderen
Menschen als Vorbild spielt in dieser Perspektive eine
große Rolle (Baldwin 1974, S. 155).
Persönlichkeitsentwicklung als aktive Aneignung von Umwelt
In der Konzeption von Bandura (1979) verarbeitet jeder
Mensch das, was er am Verhalten anderer Menschen
wahrnimmt. Jede Handlung von Menschen hat in dieser
Hinsicht eine Modellfunktion. Der Mechanismus ist
folgender: Menschen lernen, über die Wahrnehmung,
Bedeutungszuschreibung, kognitive Strukturierung,
Gewichtung und Selektion von Informationen eine
Konstruktion von Regelsystemen aus dem Verhalten
anderer vorzunehmen. Schon Kinder bauen durch den
aktiven Umgang mit anderen Menschen und insbesondere
mit Erwachsenen »generative Regelsysteme«, nämlich
begriffliche Schemata und verschiedene Stile der
Informationsverarbeitung, auf. Das Lernen am sozialen
Modell geschieht überwiegend durch Nachahmung und
Identifikation mit dem beobachteten Verhalten.
Die soziale Lerntheorie geht indes nicht von einer
einzelnen Lernperiode, sondern von der permanenten
Lernfähigkeit des Menschen über die gesamte
Lebensspanne aus. Es kommt zu dauerhaften
Veränderungen von Persönlichkeitsmerkmalen, die sich auf
den Neuerwerb und das Verlernen oder Vergessen
erstrecken. Die Veränderung kann sich sowohl auf eine
zunehmende Differenzierung von Handlungen als auch auf
eine routinierte Übertragung von Reaktionen auf jeweils
ähnliche Situationen beziehen. Veränderungen durch
Lernen umfassen verschiedene Funktionsbereiche der
Persönlichkeit, von der Wahrnehmung über Motive,