2026-001/documents/einfuehrung-sozialisationstheorie/pages/168.md

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hat sie in der Folge eine möglicherweise sogar größere
Breitenwirkung entfalten können. In der Theorie des
sozialen Lernens von Albert Bandura (geboren 1925) wird
wie bei Piaget die mechanische Sichtweise der klassischen
behavioralen Lerntheorie verlassen und die wechselseitige
Beeinflussung von Person und Umwelt betont. Die Umwelt
wird als sozialer und strukturierter Kontext verstanden.
Lernen wird als Prozess der Aneignung von
Wissensbeständen beschrieben (Bandura 1979). Trotz
dieser Ähnlichkeiten zu den zuvor bereits genannten
Vertretern der kognitiven Psychologie, ist Bandura durch
eine andere Schwerpunktsetzung bekannt geworden.
Banduras Hauptinteresse gilt dem Prinzip des
Modelllernens. Wie Piaget und Kohlberg hat er zunächst als
experimenteller Forscher gearbeitet und am Bekanntesten
wurde sein Experiment »Bobo-Doll«. In dieser
experimentellen Anordnung schauten Kinder dabei zu, wie
ein Erwachsener eine Puppe (Bobo-Doll) aggressiv
behandelt und verprügelt. Das Ergebnis war, dass Kinder
danach häufiger ein aggressives Verhalten gegenüber BoboDoll zeigten, wenn die Erwachsenen (sichtbar für das Kind)
nicht bestraft wurden. Kinder, die gesehen hatten, wie der
Erwachsene ausgeschimpft wird, waren dagegen deutlich
weniger aggressiv.
Kinder sind so das Credo der Theorie des Modelllernens
sehr empfänglich für die Interpretation und Anwendung
von Verhaltensnormen. Sie deuten ihre Umwelt und
unterscheiden erwünschtes von unerwünschtem Verhalten.
Das soziale Lernen (im englischen Original heißt Banduras
Ansatz »social learning theory«) funktioniert als Aneignung
und Verarbeitung von Normen, Erwartungen und Regeln,
die Kinder in ihrer sozialen Umwelt wahrnehmen. Wie alle
anderen Lernprozesse auch ist das soziale Lernen ein
lebenslanger Prozess, hat allerdings eine besonders
formative und prägende Phase in Kindheit und Jugend.
Deswegen sind pädagogisch gezielte Steuerungen durch