2026-001/documents/einfuehrung-sozialisationstheorie/pages/165.md

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Situationen nicht nur für eine Lösung, sondern vor allem
für die Begründungen, wie mit moralisch schwierigen
Situationen umgegangen werden soll. Von hier aus konnte
er erkennen, welche moralischen Maßstäbe bereits
vorhanden waren.
Die an Kohlberg anschließende Diskussion erweitert noch
einmal die Perspektive auf die Moralentwicklung im Kindesund Jugendalter. Monika Keller (geb. 1943) ist eine
Expertin im Bereich der Forschung zur moralischen
Entwicklung, die gerade im deutschsprachigen Raum für
eine rege Rezeption der Annahmen Kohlbergs gesorgt
haben. Diese Arbeiten haben die moralische Entwicklung
als sozialisationstheoretische Fragestellung behandelt, die
ausdrücklich interdisziplinär zwischen der Psychologie,
Soziologie, Philosophie und Pädagogik verhandelt werden
sollte. Ihre Darstellung der Stufen der Moralentwicklung
nach Kohlberg beinhaltet (Keller 2007, S. 151):
»Die Stufe 1 des so genannten präkonventionellen
moralischen Urteils wird wie bei Piaget als egozentrisch
gekennzeichnet, da die Interessen anderer mit den
eigenen gleichsetzt werden. Handlungen werden nicht
psychologisch interpretiert, sondern moralische Urteile
gelten als selbstevident und sind in der Setzung von
Autoritäten begründet. Autorität und moralischer Wert
werden kategorial und physikalistisch bestimmt (zum
Beispiel ist der Vater deshalb der Boss, weil er stärker
ist). Physische Bestrafung im Falle einer Regelverletzung
wird nicht nur als unvermeidliche Folge einer Verletzung
von Regeln und Geboten betrachtet, sondern die Tatsache
der Bestrafung durch Autoritäten weist diese Handlung
als moralisch falsch aus.
Die Stufe 2 des präkonventionellen moralischen Urteils
beruht auf der Fähigkeit zur Koordination konkreter
individualistischer Perspektiven. Der moralische