2026-001/documents/einfuehrung-sozialisationstheorie/pages/145.md

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betont, teilweise auch überbetont, wie kritische
Strömungen der Folgezeit hervorheben (Tillmann 2000, S.
75).
Überhaupt ist Freuds Theorie in ihrer Entstehungszeit
und in der Folge immer hoch kontrovers diskutiert worden.
In der sozialisationstheoretisch relevanten Rezeption muss
vor allem die Kritik an den starken biologischen
Vorannahmen genannt werden. Hierzu gehört, dass ihre
triebtheoretische Akzentuierung dazu verleitet, die
mächtigen innerpsychischen Instanzen wie anthropologisch
universale, gewissermaßen vererbte und nicht
beeinflussbare Bestimmungsgrößen des menschlichen
Handelns wahrzunehmen. Damit wird die
psychoanalytische Theorie zu einer biologischen
Antriebstheorie, die nicht ausreichend in der Lage ist, die
psychische Verarbeitung von Umweltimpulsen durch
persönliche Bewertungen und Bewältigungsstrategien zu
berücksichtigen. Damit geht einher, dass eine
gesellschaftsdynamische Sichtweise zumeist fehlt.
Beziehungen in der Familie wurden von Freud nicht in ihrer
historischen Veränderung und Vergänglichkeit
wahrgenommen, sondern wie Naturkonstanten behandelt.
Freud fehlte der Blick dafür, dass die in der
psychoanalytischen Beratungspraxis überwiegend
vertretenen bürgerlichen Familien nur eine Sozialschicht
repräsentieren und sich mit veränderten gesellschaftlichen
Verhältnissen wandeln: »Sein individualanalytisch so
scharfer Blick trübte sich, sobald er über den Rand der
Familie hinaus den soziokulturellen Bedingungen von
Persönlichkeit nachspüren wollte. Das Fehlen eines Begriffs
geschichtlich-gesellschaftlicher Strukturen ließ ein
historisch-spezifisches Verständnis von Familie und
Individuum ebenso wenig zu wie ein mikrosoziologisches.«
(Busch 1985, S. 38)
Trotzdem kann man nicht sagen, dass die Psychoanalyse
an den Herausforderungen einer Verknüpfung der bio- mit