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DIE PSYCHOANALYTISCHE THEORIETRADITION
Der schon erwähnte Begründer der Psychoanalyse,
Sigmund Freud, hat seine Theorie nicht in erster Linie als
eine Persönlichkeitstheorie und auch nicht als eine
Sozialisationstheorie konzipiert, sondern als eine
medizinisch-psychologische Therapie. Doch ist die dieser
»Psychotherapie« zugrunde liegende Konzeption der
Entwicklung der Persönlichkeit zweifellos
sozialisationstheoretisch wichtig und ergiebig, weil sie eine
Konzeption für die Aufnahme sozialer Normen in das Innere
des Individuums enthält.
Die Beobachtung, dass die psychisch-neurotische
Erkrankung seiner erwachsenen Patienten in deren
frühkindlicher Entwicklung begründet war, führte Freud zu
Theorien über die Entwicklungsgeschichte des »normalen«
Kindes. Die Rekonstruktion der Kindheitserfahrungen
erkrankter Erwachsener diente ihm dazu, die
psychodynamische Entwicklung seiner Patientinnen und
Patienten aufzuhellen, und verwies auf die zwischen Eltern,
Kindern und Umwelt ablaufenden Prozesse der Interaktion,
in deren Verlauf sich die psychischen Strukturen von
Kindern herausbilden. In diesem Verständnis enthält
Freuds Konzeption eine für die Sozialisationstheorie
interessante Analyse des Verhältnisses von Person und
Umwelt.
Persönlichkeitsentwicklung als Beziehung von Es, Ich und Über-Ich
In der psychoanalytischen Theorie werden das Verhalten
eines Menschen und die Entwicklung seiner Persönlichkeit
maßgeblich durch die unbewussten biologischen und
psychischen Antriebe erklärt, die der eigentliche Grund für
alle Handlungen an der Oberfläche des menschlichen
Verhaltens sind. Die Grundstrukturen der Persönlichkeit
bilden sich demnach auf der Grundlage emotional
verankerter Beziehungen zwischen Eltern und ihren