2026-001/documents/einfuehrung-sozialisationstheorie/pages/140.md

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(Watson 1968/1919), bei denen Lernen von Routine und
Belohnungen abhängt. Hier findet sich die Kernidee von
Durkheim wieder, der Mensch spiegle letztlich in seinen
Eigenschaften und Merkmalen die gesellschaftliche
Wirklichkeit und sei ein Produkt seiner Umwelt. Der
Mensch ist nach Watsons behavioraler Lerntheorie zwar
lernfähig, er entwickelt aber kein eigenständiges
Bewusstsein. Durch Lernen sind Menschen in der Lage,
Reize und Impulse der Umwelt flexibel aufzunehmen und
zum eigenen Vorteil produktiv zu verarbeiten. Das
Besondere der frühen Lerntheorien ist, dass diese
Lernleistungen den Menschen eher als einen evolutionären
Anpasser erscheinen lassen. Watson hat sich selbst
ausdrücklich gegen die Vorstellung gewendet, es gäbe
etwas, was von der Philosophie als das Bewusstsein eines
Menschen ausgegeben wird. Für ihn ist menschliches
Lernen dem tierischen Lernen gleichgesetzt und das Gehirn
beherbergt nur eine Verschaltung von Reizen und
Reaktionen, aber keinen Raum für eine eigenständige,
autonome Entscheidungsfindung. Tatsächlich hat sich diese
Vorstellung über das »bewusstseinslose« menschliche
Lernen nicht halten lassen. Nichtsdestotrotz ist Watsons
Beitrag für die Psychologie wesentlich, weil er
Lernprozesse das erste Mal wissenschaftlich kontrolliert
untersuchte und damit zum Begründer der experimentellen
Lerntheorien wurde.
Lerntheorien und Persönlichkeitstheorien bestimmen bis
heute die sozialisationstheoretisch wichtigen Strömungen
der Psychologie. Aus den Persönlichkeitstheorien haben
sich zusätzlich eigenständige Entwicklungstheorien
herausgebildet, die auf die phasenweise Entstehung immer
neuer Ausprägungen und Strukturen der menschlichen
Persönlichkeit ausgerichtet sind und heute als
eigenständige Variante der psychologischen Theorie gelten
müssen.