2026-001/documents/einfuehrung-sozialisationstheorie/pages/139.md

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biologischen Trieben und psychischen Bedürfnissen des
menschlichen Subjekts auseinander, bezieht diese aber
auch auf die gesellschaftlichen Zwänge, denen sich ein
Mensch ausgeliefert sieht. Alle Einstellungen,
Motivationen, Gefühle und Verhaltensweisen eines
Menschen sind nach dieser Theorie auf biologisch
angelegte Bedürfnisse und Triebe zurückzuführen. Den
Eltern, besonders der Mutter, kommt die Aufgabe zu, diese
biologische Ausstattung zu zähmen und zu kanalisieren, um
das neu geborene »Triebbündel« mit seinen natürlichen
animalischen Eigenschaften gleich zu Beginn seines Lebens
zu einem Familien- und Gesellschaftsmitglied, einem sozial
integrierten Wesen zu machen. Die psychoanalytische
Theorie nimmt damit Durkheims Frage auf, wie es zur
Vergesellschaftung der menschlichen Natur kommt. Im
Unterschied zu Durkheim wird allerdings nicht in der
systematischen Erziehung, sondern in der engen und
gefühlsbetonten Interaktion von Mutter, Vater und Kind die
Antwort gesucht.
Eine andere, fast zeitgleich beginnende Theorietradition
in der Psychologie geht einen entgegengesetzten Weg. Die
Lerntheorie von John B. Watson (18781958) folgt der Idee,
dass das Verhalten eines Menschen und damit auch seine
Persönlichkeitsentwicklung von Impulsen aus der sozialen
Umwelt beeinflusst werden. Entsprechend wird nach dieser
Theorie die Persönlichkeit nicht durch genetische Faktoren
oder Triebe gesteuert, sondern durch die Verarbeitung der
Einflüsse und Anregungen der Umwelt. Ein Mensch kommt
demnach ohne angeborene oder vorgeprägte Muster der
Verarbeitung der äußeren Realität zur Welt und muss sein
Verhalten mithilfe von Erfahrungen aufbauen. Erst durch
Person-Umwelt-Interaktionen, die Lernprozesse darstellen,
werden Verhaltensweisen und Handlungskompetenzen
ausgebildet.
Das Verhalten eines Menschen wird mithin als Reaktion
auf Impulse aus der Umwelt verstanden