2026-001/documents/einfuehrung-sozialisationstheorie/pages/132.md

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Hinsicht können wir von einer sozialen Bedingtheit oder
auch Festgelegtheit der Identität sprechen, weil spezifische
Erfahrungsräume eine bestimmte Entwicklung
wahrscheinlich machen. Zum anderen ist die soziologische
Dimension damit verbunden, dass Menschen immer wieder
neu herausgefordert werden, wenn sich ihre sozialen
Handlungsbedingungen ändern. Die Festgelegtheit qua
Entwicklungsbedingungen der Identität ist also relativ.
Identitäten müssen sich von ihren Festlegungen trennen,
weil sie in flexiblen und wechselnden
Handlungszusammenhängen permanent herausgefordert
werden und sich neu anpassen müssen.
In Krappmanns Worten ist diese Anpassungsleistung eine
Orientierung an den Bedarfen, die außerhalb und innerhalb
des Individuums liegen: »Die Struktur fortdauernder
Interaktionsprozesse erlegt dem Individuum vielmehr auf,
sein Handeln ständig an einem Bezugsrahmen diskrepanter
und inkonsistenter Anforderungen zu orientieren.
Einerseits muß es nämlich die von seinen eigenen und auch
untereinander divergierenden Erwartungen seiner
Interaktionspartner berücksichtigen, um seine Beteiligung
an Interaktionen zu sichern. Es darf dabei auch die
Anforderungen von Interaktionspartnern nicht außer acht
lassen, die in der aktuellen Situation nicht anwesend sind.
Andererseits steht das Individuum auch vor der
Notwendigkeit, seine eigenen Erwartungen und
Bedürfnisse den anderen zu verdeutlichen, weil die
vollständige Übernahme der Anforderungen seiner
derzeitigen Interaktionspartner seine Beteiligung in
anderen Interaktionssystemen belasten würde.«
(Krappmann 1969, S. 207)
Für die soziale Identität wird von einem Menschen also
verlangt, sich den gesellschaftlichen Erwartungen (der
äußeren Realität) unterzuordnen, die sich im Prinzip an alle
Menschen richten. Für die persönliche Identität wird
hingegen erwartet, sich wegen der unverwechselbaren