2026-001/documents/einfuehrung-sozialisationstheorie/pages/126.md

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durch ihre Einbettung in soziale und dingliche Kontexte.
Eine ähnliche Vorstellung findet sich in der Sprach- und
Kommunikationstheorie von Vygotsky (1986). Vygotsky hat
herausgearbeitet, dass Kinder in der Entwicklung ihrer
Kompetenzen des sozialen Handelns von
Interaktionsprozessen profitieren und dabei schrittweise
die Kontrolle über ihr eigenes Verhalten aufbauen
(Miller/Weissenborn 1991, S. 548).
Oevermann betont, dass die Entwicklung persönlicher
Kompetenzen nicht allein über Reifung und aus einer
Selbstdynamik der kognitiven Entwicklung heraus erklärt
werden kann, sondern sich »im Vollzug der dialogischen
Interaktion« bildet (Oevermann 1976, S. 43). Die
notwendigen kommunikativen Kompetenzen können
demnach nur aufgebaut werden, wenn hierfür bestimmte
strukturelle Bedingungen gegeben sind, die auf den
jeweiligen Entwicklungsstand des Kindes Bezug nehmen.
Deswegen wird eine Analyse der »Struktureigenschaften
der sozialisatorischen Interaktion« vorgenommen. Das Kind
benötigt solche Strukturen, die es in seiner Entwicklung
voranbringen, zugleich aber auch eine Art probeweises
Handeln ermöglichen, ohne die genaue Logik und den Sinn
der Handlungen schon vollständig zu verstehen. Es wird
vermutet, dass schon kleine Kinder die Fähigkeit besitzen,
Handlungen und Gesten zu strukturieren und in einen
Zusammenhang zu bringen, ohne die gesamte Logik der
Handlungsabläufe nachvollziehen zu können. Das Kind
benötigt hierfür Bezugspersonen, die ihr Verhalten dem
jeweiligen kindlichen Verhaltensrepertoire anpassen und es
zugleich zur nächsten Stufe in der Entwicklung anregen.
Die Theorie der sozialisatorischen Interaktion ergänzt die
entwicklungspsychologischen Theorien der Strukturgenese
von Jean Piaget, auf die noch detaillierter Bezug
genommen wird. Durch das Verhalten der Bezugspersonen
und die damit entstehende sozialisatorische Interaktion
werden die von Piaget herausgearbeiteten Prozesse der