2026-001/documents/einfuehrung-sozialisationstheorie/pages/121.md

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genügen, sondern sie zugleich in die Lage zu versetzen,
kritische Distanz zu den ihnen abverlangten Rollen zu
entwickeln.« (Baumgart 1997, S. 160)
Fallstricke der Rezeption von Habermas
Interessanterweise übersah eine an Habermas
anschließende wissenschaftliche Rezeption mehrheitlich,
dass mit dem Erreichen der Ich-Identität eine mögliche,
nicht aber notwendige Folge der Sozialisation
Heranwachsender verbunden ist. Habermas hat die
Erlangung einer Ich-Identität als durchweg prekäre, von
Reifekrisen und vielfältigen Lernprozessen begleitete
Entwicklung der Persönlichkeit gesehen. Sie ist die
Bedingung autonomer Handlungsfähigkeit, ohne dass diese
Bedingung zugleich von allen Heranwachsenden erfüllt
wird. Allgemein unberücksichtigt bleibt, dass Habermas die
Ich-Identität als das ideale Ergebnis der
Persönlichkeitsentwicklung darstellt. Wird »Identität« als
Endstufe der Entwicklung zu einem autonom
handlungsfähigen Subjekt gesehen (sozusagen als Schritt
einer normalen Entwicklung), entstehen Probleme. Dann
verliert diese höchste Stufe der Handlungsautonomie ihren
Charakter als ein außergewöhnliches Entwicklungsstadium
im Sozialisationsprozess. Damit unterstellen die frühen
Annahmen zur Handlungsfähigkeit Heranwachsender ein
Maß an autonomer Entscheidungs-, Wahl- und
Handlungsfreiheit, das noch bei Habermas das Ideal der
Identitätsentwicklung bezeichnet.
Kritisch lässt sich der Theorie entgegenhalten, dass von
der ursprünglichen materialistischen Ausgangsposition bei
Marx nur die kommunikative Komponente übriggeblieben
ist, während die produktiv-arbeitsbezogene fast ganz
zurückgenommen wurde. Gesellschaftlichkeit, so wird etwa
von Bilden (1977) angemerkt, ist auf Sprache, die
menschliche Subjektentwicklung auf die Aneignung von
interaktiven Fähigkeiten reduziert. Der Umgang und die