2026-001/documents/einfuehrung-sozialisationstheorie/pages/114.md

37 lines
1.8 KiB
Markdown

Habermas hat eine interdisziplinäre Theoriekonzeption
vorgelegt. An seinem Werk lässt sich damit vor allem
ablesen, wie ein Verbund von unterschiedlichen
Einzeltheorien gebildet werden kann, gewissermaßen eine
Montage von Theoriestücken aus verschiedenen
Basistheorien, die zu einer breiten und mehrdimensionalen
Theorie zusammengefasst werden: Habermas orientiert
sich an der Gesellschaftstheorie von Marx, die er aus dem
historischen Entwicklungsstadium des klassischen
Kapitalismus heraushebt und zu einer Theorie des
Spätkapitalismus weiterentwickelt. Er ergänzt diese
theoretischen Vorgaben mit der Handlungs- und
Rollentheorie, um zu klären, wie Menschen ihre
Handlungsfähigkeit entwickeln und ihre Identität aufbauen.
Um die schrittweise Entwicklung der menschlichen
Persönlichkeit im körperlichen, psychischen und sozialen
Bereich und insbesondere in den intellektuellen und
moralischen Dimensionen einbeziehen zu können,
orientiert er sich an den Aussagen der kognitiven
Entwicklungspsychologie. Schließlich werden
psychoanalytische Erkenntnisse über Entwicklungskrisen
während des menschlichen Lebenslaufs aufgenommen, um
eine Analyse der elementaren innerpsychischen
Antriebskräfte vornehmen zu können.
Das Konzept der kommunikativen Kompetenz
Das Erkenntnisinteresse dieser Theorie ist es, die
Bedingungen für die Emanzipation der menschlichen
Subjekte und die Demokratisierung der Gesellschaft zu
benennen. Die Begriffe »Gerechtigkeit«, »Gleichheit« und
»Herrschaftsfreiheit« bezeichnen die Merkmale einer
demokratischen Gesellschaft. Nur wenn diese Merkmale
gegeben sind, kann nach dieser Theorie das volle Potenzial
der menschlichen Entwicklung freigesetzt werden.
Der Schlüsselbegriff in der jüngeren Theorie von
Habermas ist das Konzept der kommunikativen Kompetenz