2026-001/documents/einfuehrung-sozialisationstheorie/pages/112.md

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Für die Sozialisationsforschung ist Mead ein
unverzichtbarer Meilenstein geworden. Der Reiz seiner
symbolisch-interaktionistischen Theorie liegt vor allem
darin, individualistisch handlungstheoretische und
gesellschaftlich strukturtheoretische Aspekte in einer
Theorie kommunikativer Beziehungen zwischen Menschen
miteinander verbunden zu haben (Berger/Luckmann 1980;
Joas 1980). Allerdings liegt der Schwerpunkt seiner
Konzeption auf der Subjektseite. So elaboriert und
differenziert Mead seine Konzeption der
Persönlichkeitsbildung im sozialen Prozess des
gemeinsamen Handelns mit anderen Menschen entworfen
hat, so vage bleiben seine Aussagen dazu, wie sich
Strukturen einer Gesellschaft herausbilden, die hierauf
aufbauen.
DIE KOMPETENZTHEORIE VON JÜRGEN HABERMAS
Zu einer der Weiterentwicklungen des Ansatzes von Mead
gehört die Theorie des deutschen Sozialphilosophen Jürgen
Habermas (geb. 1929). Dieser hat viele Annahmen des
symbolischen Interaktionismus aufgenommen und sie mit
anderen Positionen zusammen in seine eigene »Theorie der
kommunikativen Kompetenz« (Habermas 1981)
einbezogen. Das Erkenntnisinteresse dieser Theorie ist es,
Bedingungen für die Emanzipation der menschlichen
Subjekte in der Gesellschaft zu benennen, die wiederum
eng mit der Sprachfähigkeit, dem Sprechakt selbst und
sozialisatorischen Prozessen verbunden sind.
Habermas folgt dabei dem Impuls der Mitglieder der
Frankfurter Schule, in deren Generationenfolge er
einzuordnen ist. Für das Ziel, gesellschaftliche und
ökonomische Strukturen zu analysieren, die eine
Emanzipation des Individuums und seine Befreiung aus
autoritären Zwangsstrukturen ermöglichen, entwirft
Habermas aber einen eigenen Ansatz, der von der