2026-001/documents/einfuehrung-sozialisationstheorie/pages/109.md

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werden müssen, um das Handeln auf die jeweils aktuellen
Bedingungen der inneren und äußeren Realität
auszurichten.
Play und Game
Sozialisationstheoretisch geht Meads Theorie also sehr
weit und das reine Rollenlernen bzw. der Prozess der
Rollenübernahme ist nur eine Variante im Prozess der
Ausbildung von Identität. Dabei entwirft einer ehr
einfaches sozialisationstheoretisches Modell: Wenn ein
Kind eine Rolle einspielt, indem es sich zunächst aus der
Perspektive wohl vertrauter Anderer (Vater, Mutter u. a.)
einzuschätzen lernt, spricht Mead von »signifikanten
Anderen«. In diesen signifikanten, also bedeutungsvollen
Rollen spricht das Kind sich selbst an und kann durch
Sprache bei sich selbst die gleiche Reaktion auslösen kann,
die es sonst nur beobachtet (so bei der gedachten
Situation, dass der Vater imitiert wird, der nach Hause
kommt und die Familie begrüßt). Das Ego (Selbst) kann so
die Rolle von Alter (eines Gegenüber) einnehmen und sich
selbst zum sozialen Objekt machen, sich selbst also
einzuschätzen lernen. Mead postuliert: »Wir müssen
andere sein, um wir selbst sein zu können.« (Mead 1987a,
S. 327) So muss es die »Ich-Identität der Anderen geben,
wenn die eigene Ich-Identität existieren soll.«
(Mead 1987b, S. 208) Hierbei handelt es sich um eine
Entwicklung, die sich im Leben eines Heranwachsenden
wahrscheinlich nach und nach herausbildet und die wie
Mead annimmt auch in der Menschheitsgeschichte
stufenweise erfolgt ist. Sie entsteht im Leben des Kindes
durch einen Prozess, der »unglückseligerweise als
Nachahmung bezeichnet wird.« (Mead 1987c, S. 293)
Ausdruck findet diese Entwicklung nach Mead
interessanterweise im Spiel kleiner Kinder.
Der Gedanke, dass sich die Entwicklung des Kindes vor
allem im Spiel vollzieht, ist bis zu den frühesten Aufsätzen