2026-001/documents/einfuehrung-sozialisationstheorie/pages/107.md

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Spontaneität und Kontrolle das gesellschaftliche »Me«
reorganisiert.
Mead ist sich darüber im Klaren, dass man es nur mit
einem kleinen Teil menschlichen Verhaltens zu tun hat, in
dem das »I« überhaupt auftritt. Gemäß seiner
pragmatistischen Prämisse taucht es nur im Falle eines
Handlungsproblems auf. Gerät gewohntes Verhalten ins
Stocken, erfüllt das »I« seine wichtigste Funktion: das
Suchen und Finden von alternativen Handlungsoptionen
durch spontane Reaktionen. In der Unterscheidung
zwischen »I« und »Me« liegt ein wichtiger Ansatzpunkt für
die Suche nach dem »subjektiven Faktor«, nach
Individualität und Originalität. Das meadsche »I« liefert,
wenn auch nur in sehr spekulativer Form, bedeutende
Hinweise für die Verankerung (die Bedingungen der
Möglichkeit) von schöpferischer Kreativität, Spontaneität,
Individualität und Originalität im menschlichen
Organismus.
Durch das Zusammenwirken von »I« und »Me« bildet
sich das »Self« (Selbst), nämlich das Selbstverständnis und
Selbstbild von sich als Person. Das »Self« ist die reflexive
Intelligenz des Menschen, also eine Art Vorstufe für das
Bewusstsein (»Mind«), das dann in Erscheinung tritt. Erst
aus dem komplexen Zusammenspiel von »I«, »Me«, »Self«
und »Mind« sind in der meadschen Konzeption die
Entstehung der Persönlichkeit und das Handeln des
Menschen erklärbar. Der Mensch wird als ein Wesen mit
reflexivem Bewusstsein verstanden, das ein individuelles
und zugleich soziales und vergesellschaftetes Subjekt
darstellt (Mead 1968, S. 244).
Handeln als symbolisch vermittelte Interaktion
Mead geht bei der Begründung seiner Sozialpsychologie,
seinem »zentralen Werkstück« (Wenzel 1990), nicht vom
Verhalten des einzelnen Individuums, sondern von der
kooperierenden Gruppe aus. Nicht die »Robinsonade« (der