2026-001/documents/einfuehrung-sozialisationstheorie/pages/106.md

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erstmals 1968 erschienen ist) auf den Ursprung und die
Entstehung der menschlichen Subjektivität. Grundlage für
diesen Prozess ist in seiner Konzeption die
Auseinandersetzung des Menschen mit der natürlichen und
der sozialen Umwelt. Menschliches Handeln folgt
physiologischen und organischen Bedingungen, ist aber
durch soziale Interaktionen überformt. Individuum und
Gesellschaft sind in sich eng verwoben. Mead versteht sie
als zwei aufeinander bezogene Dimensionen, die erst im
Wechselspiel die Entstehung des menschlichen Subjektes
möglich machen (Joas 1991).
Persönlichkeit entsteht in dieser Konzeption als Produkt
zweier Größen, der eher sozialen Komponente des »Me«
(Mich) und der eher psychischen Komponente des »I« (Ich):
Das Me präsentiert die Vorstellungen dessen, wie
andere Menschen ein Individuum sehen und wie es sich
nach der Interpretation ihrer Erwartungen zu verhalten
hat. Es speichert gewissermaßen die intersubjektiv
ausgehandelten Erwartungen und stellt
handlungsleitende Strukturen und Orientierungen zur
Verfügung. Berührungspunkte zur Konzeption des
»Über-Ich« bei Freud sind unverkennbar (Furth 1990).
Das I vertritt gegenüber dem Me impulsive und
spontane Energien der Person, die zwar durch das Me
gezügelt wurden, aber eine unabhängige Größe der
Persönlichkeit darstellen. Anklänge an Freuds Konzept
des »Es« sind deutlich.
Philosophisch gesehen stehen für »I« und »Me« die
Kategorien: Freiheit und Determination. Mead spricht von
einer positiven Rekonstruktion des »I« und einer negativen
Rekonstruktion des »Me«. Besitzt das »Me« noch eine (die
Gesellschaft repräsentierende) determinierende Funktion,
spielt das »I« andererseits eine emergierende (Neues
erzeugende) Rolle, indem es durch Kreativität,