2026-001/documents/einfuehrung-sozialisationstheorie/pages/104.md

34 lines
1.6 KiB
Markdown
Raw Blame History

This file contains ambiguous Unicode characters

This file contains Unicode characters that might be confused with other characters. If you think that this is intentional, you can safely ignore this warning. Use the Escape button to reveal them.

2.2
Handlungstheoretische Ansätze
Alternative Ansätze in der soziologischen Theoriebildung,
die eine konkrete Handlungsorientierung beinhalten,
entstehen bereits vor Bourdieus Praxeologie und
entwickeln sich parallel dazu weiter. Sogenannte
handlungstheoretische Ansätze waren in der Soziologie bis
in die 1970er Jahre hinein so weit weitverbreitet, dass sie
kaum einer einzelnen Richtung subsumiert werden können.
Kennzeichnend für sie ist durchgehend, dass sie weder auf
eine umfassende Systemanalyse wie bei Parsons und später
bei Luhmann zielen noch auf die Gesamtbeschreibung
einer gesellschaftlichen Entwicklung wie in den übrigen
gesellschaftstheoretischen Ansätzen. Vielmehr sehen sie in
der menschlichen Handlung selbst und in der Interaktion
von Menschen das wegweisende Prinzip zum Verständnis
sozialer Realität. In dieser »Reduzierung« auf den
Handlungsbereich, der soziologisch auch als
mikrologischer Fokus bezeichnet wird, liegt ihr Wert für die
Sozialisationstheorie. Solche zumeist mikrologischinteraktionistisch ausgerichteten Handlungstheorien haben
eine breite internationale Wahrnehmung erfahren und
werden heute noch fortgeführt. Hier wird im Folgenden auf
den Grundlagenbeitrag von George H. Mead fokussiert und
im Anschluss auf jene Ansätze, die Meads Denken
weiterentwickelt und dabei auch immer weiter auf den
Sozialisationsprozess fokussiert haben.
DIE THEORIE DES SYMBOLISCHEN
INTERAKTIONISMUS VON GEORGE HERBERT MEAD
George Herbert Mead (18631931) wird häufig als
Begründer des »symbolischen Interaktionismus«
bezeichnet. Meads selbst wurde obwohl er sich selbst