36 lines
1.8 KiB
Markdown
36 lines
1.8 KiB
Markdown
krisenhaften Erfahrungen zu schützen versuchen, die das
|
|
Verlassen bereits erprobter und das Erlernen neuer
|
|
Interpretations- und Handlungsmuster zur Voraussetzung
|
|
machen. Auf diese Weise entwirft Bourdieu eine Theorie,
|
|
die im Endeffekt offen dafür ist, dass sich Menschen in
|
|
ihrem Lebenslauf permanent ändern können. Gleichzeitig
|
|
aber ist die ganze Anlage seiner Arbeit auf die Frage
|
|
ausgerichtet, warum diese Veränderungen so selten
|
|
eintreffen und der Habitus seine Trägheitsstruktur
|
|
bewahrt.
|
|
Das Kapital-Konzept
|
|
|
|
Bourdieu greift dabei vor allem die Frage der ungleichen
|
|
Machtverteilung in heutigen Gesellschaften auf. Dabei
|
|
verfolgt er vor allem, welche Unterschiede sich für die
|
|
Persönlichkeitsentwicklung in jeweils sozioökonomisch
|
|
voneinander unterscheidbaren Gruppen der Bevölkerung
|
|
ergeben. Er differenziert diese Gruppen nicht nur nach
|
|
ihren ökonomischen, sondern auch nach ihren kulturellen
|
|
und sozialen Ressourcen und stellt ein Raster für die
|
|
Erfassung von sozialer Ungleichheit zur Verfügung. Wenn
|
|
Bourdieu dezidiert von einem ungleichen Kapital der
|
|
Menschen spricht, meint er damit in seiner Terminologie
|
|
ungleiche Ressourcen. Das Soziale wird durch die
|
|
ungleiche Verfügung über Ressourcen (bzw. Kapital)
|
|
vertikal als auch horizontal strukturiert (Bourdieu 1983).
|
|
Bourdieu differenziert drei primäre Kapitalformen oder sorten, die in der sozialen Laufbahn akkumuliert werden:
|
|
Ökonomisches Kapital ist durch die Verfügung über
|
|
finanzielle Ressourcen gekennzeichnet. Kulturelles Kapital
|
|
existiert in einem inkorporierten (verinnerlichten,
|
|
körpergebundenen) Zustand der Einstellungs- und
|
|
Fähigkeitsmuster in Bezug auf die anerkannte legitime
|
|
Kultur, in einer institutionalisierten (das heißt durch den
|
|
Bildungstitel legitimierten) und schließlich einer
|
|
objektivierten, kurz: vergegenständlichten Form des Kunst-
|