37 lines
1.9 KiB
Markdown
37 lines
1.9 KiB
Markdown
Strukturen zu reproduzieren. Der Habitus tendiert zur
|
|
Stabilität, gerade dafür aber muss er ständig in Bewegung
|
|
und aktiv sein. Bourdieu hebt immer wieder hervor, dass
|
|
über den Habitus vermittelte Handlungen keinesfalls nur
|
|
den mechanischen Vollzug übermächtiger
|
|
Anpassungszwänge darstellen. Die Bedingungen, unter
|
|
denen ein Habitus ausgebildet wird, und jenen, in denen
|
|
ein Habitus handelt, sind nie gleich. Selbst wenn sie viele
|
|
Ähnlichkeiten aufweisen, muss der Habitus immer noch
|
|
flexibel reagieren können. Das »Neue« ist eine zentrale
|
|
Kategorie Bourdieus und seines Habituskonzepts. Dennoch
|
|
zeigt er sich überrascht dafür, dass der Habitus immer
|
|
wieder eben jene Strukturen durch sein Handeln
|
|
bevorzugt, deren Produkt er ohnehin schon darstellt. Der
|
|
Habitus ist also träge und anhänglich, wenn man es einmal
|
|
so ausdrücken möchte. Bourdieu selbst bezeichnet diesen
|
|
empirischen Befund als »Homogamie-Effekt«
|
|
(Bourdieu/Wacquant 1996, S. 168). Homogamie ist der
|
|
Homologie ähnlich, nur dass die Homologie ein Instrument
|
|
ist, um soziale Ähnlichkeiten analytisch zu fassen.
|
|
Homogamie ist das Prinzip, nach dem Menschen handeln
|
|
und versuchen, Ähnlichkeiten zu erzeugen, also
|
|
Erfahrungen bevorzugen, die ihren Habitus bestätigen. Um
|
|
in dem genannten Beispiel zu bleiben, bedeutet das, dass
|
|
diejenigen, die gewohnt sind, Kritik zu äußern, hier
|
|
Sicherheit erlangen und diese Gelegenheiten wahrnehmen.
|
|
Wer es nicht gewohnt ist, sucht die Nähe zu diesen
|
|
Gelegenheiten nicht. Das gleiche gilt dann auch für das
|
|
Gourmetrestaurant. Der Habitus gibt im einen Falle
|
|
Sicherheit, im umgekehrten Falle aber auch Unsicherheit
|
|
im Umgang mit gewohnten bzw. ungewohnten
|
|
Herausforderungen. Damit wird Kritk-Praxis nicht
|
|
unmöglich. Sie ist aber in der Wahrscheinlichkeit und der
|
|
Ausformung unterschiedlich.
|
|
Das Homogamie-Prinzip entfaltet seine Wirksamkeit
|
|
gerade erst dadurch, dass sich die Akteure lediglich vor
|