2026-001/documents/einfuehrung-sozialisationstheorie/pages/089.md

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damit von der Annahme einer Anpassung des psychischen
Systems an die Gesellschaft ab, die noch bei Parsons
vorherrscht. Das psychische System, das sinngemäß mit
»Persönlichkeit« gleichgesetzt werden kann, unterwirft
sich, so Luhmann, in keiner Phase seiner Entwicklung dem
sozialen System und nimmt dessen Komponenten auch
nicht in sich auf (es passt sich gesellschaftlichen
Anforderungen also niemals nur passiv an). Vielmehr setzt
sich das psychische System entsprechend seiner eigenen
Funktionslogik so mit dem sozialen System ins Verhältnis,
dass eine geregelte Koexistenz beider Systeme möglich ist.
Damit wird übersetzt in die traditionelle soziologische
Terminologie die aktive Auseinandersetzung eines
Individuums mit seiner sozialen Lebenswelt betont
(Abels/König 2016 S. 217). Diesbezüglich ist die
Sozialisationstheorie Luhmanns als ein konsequenter
»Bruch mit einem Verständnis von Sozialisation als
Transfer sozialer Vorgaben ins Individuum« zu verstehen
und »damit auch mit den sozialisationstheoretischen
Annahmen der älteren Systemtheorie, wie sie bei Talcott
Parsons vorliegt« (Scherr 2015, S. 165).
Der Verlust der Person-Umwelt-Spannung
Die Systemtheorie in der Variante von Luhmann trägt dazu
bei, theoretisch übergreifende Gesichtspunkte der
Funktionsfähigkeit von Systemen auf allen Ebenen und
Entwicklungsstufen in die Sozialisationstheorie
einzubeziehen. Kritisch ist anzumerken, dass auf diese
Weise der spannungsreiche Vorgang der Sozialisation als
permanenter Auseinandersetzung zwischen Organismus,
Psyche und Sozialem sehr abstrakt bearbeitet wird. Durch
die Breite und Abstraktheit der Theorie, die im
Wesentlichen nur nach den Mechanismen fragt, mit denen
sich ein System nach innen und nach außen stabil hält,
gehen konkrete Bezüge des Organismus-PsycheGesellschaft-Verhältnisses verloren.