2026-001/documents/einfuehrung-sozialisationstheorie/pages/088.md

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komplexer und selbstständiger. In einer vielfältigen und
komplexen Umwelt muss jedes psychische System ein
besonders hohes Ausmaß an Sinnbildung, Ordnung des
Handelns und Strukturierung von inneren Elementen
vornehmen, um gegenüber der sich wandelnden Außenwelt
konstant bleiben zu können (Faulstich-Wieland 2000, S.
135; Mingers 1995; Vanderstraeten 2000).
Das Konzept der Selbstsozialisation
Mit dieser abstrakten Begrifflichkeit arbeitet Luhmann die
Spannung zwischen Individuum und Gesellschaft in
besonders pointierter Weise heraus. Hieraus leitet er sein
Konzept der Sozialisation ab. Für ihn sind es nicht
gesellschaftliche Außenanforderungen, die zur
»Sozialmachung« der Persönlichkeit führen, wie es noch
von Parsons nahegelegt wird. Es gibt keine Sozialisation,
die von einer Instanz außerhalb des psychischen Systems
bedingt ist, vielmehr nimmt das psychische System eine
»Selbstsozialisation« vor, indem es sich nach innen und
nach außen ständig neu orientiert und die eigenen
Strukturen und Eigenschaften ebenso wie die Erwartungen
an die soziale Umwelt permanent auf veränderte
Ausgangsbedingungen umstellt. Aus der Differenz zwischen
dem psychischen System (der Person) und dessen Umwelt
(dem sozialen System) ergibt sich in dieser Sichtweise die
Möglichkeit und die Notwendigkeit von Sozialisation: Der
Mensch ist in seiner Persönlichkeitsentwicklung auf
Soziales angewiesen, aber er wird durch Sozialisation nicht
Teil des sozialen Systems. Umgekehrt wird durch
Sozialisation das soziale System nicht in Psyche
transformiert. Beide Systeme interagieren, aber sie bleiben
jeweils Umwelt füreinander (Gilgenmann 1986, S. 72;
Luhmann 1987).
Mit dem von ihm neu eingeführten Begriff der
»Selbstsozialisation« bezeichnet Luhmann die aktive
Eigenleistung des psychischen Systems und setzt sich